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Vortrag "Eine Zensur findet statt"

Hier eine Vortragsankündigung: Am 10. September 2009 findet im Kassablanca in Jena ein Vortrag mit dem Titel Eine Zensur findet statt statt. Thema ist natürlich das Zugangserschwerungsgesetz mit all seinen Facetten. Ich werde die Veranstaltung leiten und sicher auch ein paar Worte zur Lage im Ausland verlieren. Der Vortrag läuft im Rahmen der Reihe Peace Please von attac und startet um 19:30 Uhr. Ich würde mich über zahlreiches Kommen und viele Diskussionen sehr freuen.

Ankündigung bei attac

Rückschlag für die Zensoren im Jemen

Bei meinem Besuch im Jemen durfte ich die Zensur hautnah miterleben. Kein Tag verging, an dem ich nicht die Stoppseite zu Gesicht bekam. In der Regel passierte das mehrfach. Jemen verwendet ein System der Firma Webfilter zur Umsetzung der Maßnahmen. Interessanterweise haben die in ihrer Policy stehen:

Websense does not sell to governments or Internet Service Providers (ISPs) that are engaged in any sort of government-imposed censorship.

Ein findiger Mensch fragte bei der Firma nach und bekam eine recht positiv klingende Rückmeldung. Auch die offizielle Verlautbarung gegenüber der OpenNet Initiative klingt vielversprechend:

Since we were informed about the potential use of our products by Yemeni ISPs based on government-imposed Internet restrictions in Yemen, we have investigated this potential non-compliance with our anti-censorship policy. Because our product operates based on a database system, we are able to block updated database downloads to locations and to end users where the use of our product would violate law or our corporate policies. We believe that we have identified the specific product subscriptions that are being used for Web filtering by ISPs in Yemen, and in accordance with our policy against government-imposed censorship http://www.websense.com/content/censorship-policy.aspx, we have taken action to discontinue the database downloads to the Yemeni ISPs.

Damit stehen zukünftig wohl (zunächst) keine Datenbank-Updates für Internetprovider aus dem Jemen zur Verfügung. Wie wir jedoch alle wissen, muss das nichts heißen. Denn die nahe liegende Lösung wäre, dass sich jetzt eine Firma gründet, die selbst eine Datenbank aufbaut und die kein Problem hat, diese weiterzuverkaufen (an wen auch immer). Dann käme jedes beliebige Zensurland wieder in den Besitz aktueller Listen, Websense hätte bezüglich ihrer Policy kein Problem und könnte immer mit dem Finger auf andere zeigen. Ob das jetzt bezüglich eventueller Lizenzen oder der Software selbst möglich ist, weiß ich nicht. Es wäre aus meiner Sicht ein gangbarer Weg, den Zensoren wieder eine Liste zur Verfügung zu stellen (nicht das ich das wöllte).

Andererseits glaube ich, dass die ISPs immer noch die bis zur Abschaltung gültige Liste zur Verfügung haben. Somit besteht für sie in Zukunft die Arbeit darin, die Liste selbst weiter zu pflegen. Bei meinem Besuch im Jemen waren schon recht viele Seiten manuell eingepflegt worden und vielleicht wird diese Arbeit nun einfach intensiviert werden.

Alles in allem ist die Meldung kurzfristig ein Rückschlag für die Zensoren. Jedoch wird das “Problem” mittelfristig sicher wieder behoben werden.

Arbeiten und Heiraten im Jemen

Podium

Der Mittwoch sollte dann mein erster richtiger Arbeitstag werden. Zu Beginn wurden im Vorhof des Gebäudes diverse Tische und Stühle aufgebaut. Gleichzeitig teilte mir der Organisator mit, dass ich zu Beginn doch bitte eine kleine Rede halten solle. So versuchte ich fieberhaft in den verbleibenden Minuten mir etwas sinnvolles einfallen zu lassen. Im Anschluss erzählte ich dann etwa zehn Minuten etwas über das Internet, die Überwachung und Sperrung von Webseiten sowie über die Inhalte der nächsten Tage. Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen, einige Worte zum Zugangserschwerungsgesetz zu verlieren. Das erzeugte einiges Erstaunen bei den Zuhörern. Später kommentierte einer der Teilnehmer das mit den Worten, dass die deutsche Regierung doch nach Jemen kommen könne. Hier kann sie in puncto Zensur und Sperrung einiges lernen. :-)

Im Kurs stellte ich dann verschiedene Möglichkeiten der Umgehung vor. Dabei versuchte ich klar zu machen, dass sich niemand nur auf eine Alternative verlassen sollte. Zuerst sprach über manuelle Methoden. Manchmal reicht es, eine Seite statt mit http:// mit https:// aufzurufen. Im Fall von Sesawe oder Your Freedom funktioniert das wunderbar. Weiterhin reicht es auch das www. von der URl zu entfernen. So lassen sich blockierte Seiten zum Teil erreichen. Ein weiteres gut funktionierendes Mittel ist Google Translate oder halt ein ähnlicher Dienst. Ein gangbares Mittel wäre die Suche nach offenen Proxys mittels diverser verfügbarer Proxylisten. Jedoch war das Eintragen eines Proxy für die meisten Teilnehmer zu schwierig. Sinnvoll wäre aus meiner Sicht ein kleines Programm, was automatisch Proxys runterlädt und dann beispielsweise eine pac-Datei kreiert. Diese könnte automatisch geladen werden.

Später kamen wir dann auf Psiphon zu sprechen. Das Werkzeug überzeugte aufgrund seiner Einfachheit. Einloggen, URL eingeben und browsen. Das Projekt versucht seinerseits seine Proxyserver geheim zu halten und hat auch einige Gegenmaßnahmen eingebaut. Ich kann nur hoffen, dass das lange so bleibt. Später kam dann noch Alkasir und Your Freedom zur Sprache. Letzteres war jedoch für die meisten Teilnehmer zu komplex. Ich glaube, außer ein paar Willigen wird das niemand so schnell nutzen.

Der Arbeitstag wurde dann mit einem gemeinsamen Essen in einem typischen jemenitischen Restaurant beschlossen. Für Europäer ist der Anblick der Essenden sicher gewöhnungsbedürftig. Denn es wird mit Händen gegessen und Geschirr wird nur zum Servieren der Speisen benutzt. Das Essen selbst war sehr lecker. Wir hatten gebratenen Fisch und diverse Fleischspeisen. Hinzu kamen Soßen und Fladenbrot, welches einen Durchmesser von mindestens einem halben Meter hatte.

Bräutigam inmitten von Gratulanten

Abends hörte ich Gesänge, die sich wie die üblichen Muezzin-Klänge anhörten. Jedoch war es zu einer ungewöhnlichen Zeit. Die Muezzin singen ihre Suren üblicherweise sechs Mal am Tag, beginnend zwischen halb und um vier Uhr morgens. Also beschloss ich, den Gesängen mal nachzugehen. In einem Innenhof hatte sich eine Gesellschaft versammelt. Ehe ich so richtig identifizieren konnte, um was es sich da handelt, kam jemand auf mich zugestürmt und bat mich reinzukommen. Ich folgte der Einladung und flugs befand ich mich inmitten einer Hochzeitsgesellschaft. Sofort musste ich mich zum Bräutigam gesellen und Fotos wurden gemacht (Leider sind die nur mit Handycam aufgenommen. Fotoapparat lag sicher im Hotel.). Glücklicherweise hatte ich vorab gesehen, wie die Gratulation abläuft und versuchte es, so gut es geht nachzumachen. Die Teilnehmer wiesen mir einen Platz in ihren Reihen zu und so konnte ich recht lange der Prozession beiwohnen.

Später am Abend verließ ich die Gesellschaft dann tief beeindruckt. Die Leute waren sehr herzlich und aufgeschlossen. Ich hatte die gesamte Zeit nicht das gefühl, ein beliebiger Fremder zu sein. Vielmehr war ich fest integriertes Teil der Festgemeinschaft. Gerade die Feier machte diesen Tag zu dem bislang schönsten hier im Land.

Zwischenstop Dubai

Derzeit reise ich ein wenig durch die Welt und bin gerade in Dubai gelandet. Der Flug verlief problemlos. Etwas lächeln musste ich, als im Flugzeug Werbung von Dubai gezeigt wurde. In einem Ausschnitt hieß es: Put away your Blackberry .... Ob die UAE deswegen die Spyware auf Blackberrys schieben? ;-)

Für mich ist der Kurzaufenthalt gleich mal eine Gelegenheit, die Zensurinfrastruktur vor Ort ein wenig zu prüfen. Bisher ist es so, dass HTTPS-Seiten immer in einen Timeout laufen. Die HTTP-Variante wird mit normaler Geschwindigkeit geladen. Weiterhin wurden SSH-Verbindungen mit verschiedenen Hosts zur IP-Adresse 123.123.123.123 aufgelöst. Mittlerweile hat das allerdings wieder aufgehört. Weiterhin werden in den UAE grundsätzlich .il-Domains gesperrt (siehe Eintrag zu den UAE im AnonWiki). So resultierte der Aufruf von gov.il in einer Stoppseite von Etisalat. Wenn ich hingegen die Seite mit Google Translate aufrufe, kann ich problemlos auf die Inhalte zugreifen. Tor funktioniert natürlich ohne Probleme und mit der standardmäßig ausgelieferten Konfiguration.

So jetzt nehme ich noch einen Kaffee zu mir und fliege dann weiter. Einen nächsten Bericht gibt es, wenn ich mal wieder Internet habe.

Lieber zensieren als Äpfel essen

Letzte Woche fand die 860. Sitzung des Bundesrates statt. Dort sollte unter anderem das viel diskutierte Zugangserschwerungsgesetz an der Tagesordnung sein. Ich versuchte im Vorfeld den Ministerpräsidenten mit einem Schreiben mit einigen Argumenten zu überzeugen (siehe auch die Pressemitteilung des AK Zensur dazu). Wie jedoch zu erwarten war, wurde das Gesetz angenommen. Jetzt steht nur noch der Bundespräsident vor der endgültigen Unterschrift und damit vor dem Inkrafttreten des Gesetzes. Der AK Zensur hat einen Appell an Herr Köhler gerichtet.

Beim Betrachten des Ergebnisses fiel mir auf, dass alle Gesetze angenommen wurden, bis auf eines: das Gesetz zur Durchführung gemeinschaftsrechtlicher Vorschriften über das Schulobstprogramm (Schulobstgesetz - SchulObG). Gerade das klingt doch recht sinnvoll. Warum wird sowas nun abgelehnt?

Das Schulobstgesetz geht zurück auf eine Initiative der EU, das EU-Schulobstprogramm. Im Rahmen dessen wurden verschiedene Alternativen untersucht und eine Kommission kam zu dem Schluss, dass die beste Lösung sei, kostenlos Obst an Schüler im Alter von 6 bis 10 Jahren einmal in der Woche auszuteilen. Flankiert mit aufklärenden Maßnahmen gehen die Mitglieder von einem Erfolg aus, d.h. es würden gesunde Essgewohnheiten gefördert werden, die Fettleibigkeit würde zurückgehen und das Risiko chronischer Krankheiten (Diabetes etc.) nimmt ab. Als problematisch werden die Kosten genannt. Die Folgeabschätzung geht EU-weit von Gesamtkosten in Höhe von 156 Millionen Euro (nicht Milliarden!) aus. Daher wurde vorgeschlagen, 90 Millionen aus EU-Mitteln zu zahlen und der Rest aus den Mitteln der jeweiligen Länder. Wenn ich nun den Bericht des Agrarausschusses richtig verstehe, gibt es in Deutschland jetzt Diskussionen, ob Bund oder Länder diese Zusatzmitteln zahlen sollen. Dabei geht es deutschlandweit um eine Summe von 12,5 Millionen Euro oder pro Bundesland um etwa eine Million Euro. Also nach jeglichen Maßstäben Peanuts.

Ich hatte schon vorher mal kalkuliert, welche Gesamtkosten für Thüringen entstehen, wenn alle Kinder täglich kostenlos Obst bekommen. Insgesamt gibt es etwa 300.000 Kinder bis 18 Jahren in Thüringen. Wir zahlen für ein Obstfrühstück im Kindergarten momentan 25 Cent. Wenn man von etwa 200 Tagen in Kindergarten und Schule ausgeht, kämen für Thüringen (aufgerundet) etwa 20 Millionen Euro Kosten zu. Die Zahl ist natürlich nur eine grobe Schätzung. Nichtsdestotrotz würde sie nach meinem Dafürhalten kaum im Portemonnaie des Landes auffallen. :-)

Aber was solls. Lieber zensieren wir den Kindern das Internet weg als ihnen was Gesundes zu Essen zu geben. :-(

Zensoren finden

Der Guardian hat eine sehr schöne Flash-Animation zum Thema Internet censorship: who controls what, also welche Länder den Zugriff zum Internet einschränken oder zensieren. Viele der Länder sind noch grau und da bittet der Guardian um Mithilfe. Wenn ihr weitere Länder kennt, dann könnt ihr diese über ein Formular melden. Diese werden dann mit eingetragen. Weiterhin könnt ihr auch Einträge auf der Zensurseite im AnonWiki machen, falls ihr mehr wisst oder weitere Quellen habt.

Lesebefehle

Folgende Artikel solltet ihr euch unbedingt zu Gemüte führen:

Wo war Herr Thießen?

Beim Durchblättern durch die Liste der Abstimmer zum Zensurgesetz fiel mir auf, dass sich Jörn Thießen nicht an der Abstimmung beteiligt hat. “Na gut”, werdet ihr jetzt sagen, “viele waren nicht da.” Aber Herr Thießen war derjenige, der sich mit den Worten Wer nicht zu einer Wahl geht, sollte 50 Euro Strafe zahlen. zitieren liess (Quelle: Politik will neue Methoden gegen Wahl-Abstinenz). Mich würde sehr interessieren, was er dazu meint und ob Herr Thießen nun konsequenterweise 50 Euro als Spende überweist. Ich habe ihm das als Frage bei Abgeordnetenwatch hinterlassen und bin gespannt auf die Antwort.

Update: Meine Frage wurde abgelehnt, da mehrere dieselbe Idee hatten. Im Profil des MdB finden sich die Fragen und hoffentlich auch bald antworten.

Zu den Enthaltungen der grünen Abgeordneten

Nach der gestrigen Abstimmung über die Internetsperren gab es einige Verwirrung um die vielen Enthaltungen bei den Grünen. Heute haben zehn Abgeordnete eine persönliche Erklärung hierzu abgegeben. Ich möchte diese kurz kommentieren.

In der Erklärung heißt es:

In vielen Punkten teilen wir die kritische Bewertung des Gesetzentwurfs: Er erfüllt die Kriterien des Rechtsstaats nur unzureichend, der Datenschutz ist nicht hinreichend gewährleistet und er birgt die Gefahr, dass unsere Medienordnung aus der Balance gerät. [...] Das Gesetz ist zudem technisch unzureichend, nicht sachgerecht und zu wenig spezifisch auf die Notwendigkeiten im Kampf gegen Kinderpornographie und sexuelle Ausbeutung von Kindern in Kommunikationsnetzwerken ausgerichtet.

Nach der Meinung der Abgeordneten ist das Gesetz also rundherum schlecht und trotzdem lehnen sie es nicht ab? Wie muss denn ein Gesetz aussehen, damit die Abgeordneten diesem ihre Zustimmung entziehen?

Auch ausländische Seiten mit kinderpornographischem Inhalt müssen konsequent aus dem Internet entfernt werden, so wie dies bereits mit deutschen Seiten nach rechtsstaatlichem Verfahren geschieht.

Dieses Argument las ich in den letzten Tagen bereits schon einmal. Ich hatte im Vorfeld “meinen” Bundestagsabgeordneten angeschrieben. Auch er brachte in seinem Antwortschreiben einen ähnlich klingenden Satz. Wahrscheinlich wurden über die Parteien Argumente ausgetauscht oder von dritter Stelle eingeflüstert.

Im Allgemeinen hat der AK Zensur gezeigt, dass sich Inhalte auf ausländischen Servern schnell entfernen lassen. Weiter zeigt die Analyse bei Scusi, dass die Server in aller Regel bei den G20-Staaten stehen. Dort werden sie wohl auch in Zukunft bleiben, da es eine vernünftige Infrastruktur für die Webseiten geben muss. Das heißt, wenn das BKA wollte, könnte es mit hoher Wahrscheinlichkeit Inhalte von ausländischen Servern entfernen. Sperrung nicht notwendig.

Es kann auch gute Gründe geben, Internetseiten mit Kinderpornographie zu sperren.

Jetzt hätte mich sehr interessiert, welche das sind. Die Erklärung bleibt diese jedoch schuldig.

Deutlich ist jedoch auch, dass [...] neue Handlungsfelder im Kampf gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern entstanden sind und dieser Herausforderung wird der Gesetzentwurf der Bundesregierung nicht gerecht.

Mehrmals wird davon gesprochen, wie schlecht, unzureichend etc. das Gesetz ist und trotzdem enthalten sich die Abgeordneten. Nochmal: Was sind die Kriterien, um ein Gesetz abzulehnen?

Wer zensiert das Internet?

Bei dem Thema Internetzensur denken viele wahrscheinlich zuerst an Staaten wie China, Iran oder an arabische Länder. Jedoch die Diskussionen um Netzsperren und Filterlisten haben gezeigt, dass auch demokratische Staaten vor der Zensur nicht Halt machen. Foreign Policy hat eine Aufstellung von Demokratien, die Zensur einsetzen.

Die mir bekannten Kandidaten waren Australien und Frankreich. Bei letzteren tobt ja der Kampf gegen Filesharing (Stcihwort: Three strikes and you’re out). Ein bisher unbekannter Kandidat ist Indien. Dort werden politisch radikale Seiten und Terroristenwerkzeuge zensiert. Hierzu gehört dann unter anderem auch Google Earth:

When it was revealed that the terrorists responsible for the November 2008 Mumbai attacks used Google Earth to plan their assault, a prosecutor petitioned the Bombay High Court to block the popular site.

Der Artikel The List: Look Who’s Censoring the Internet Now hat alle Details.

Mit Tor die Zensur umgehen

Beim Artikel zu Picidae hatte ich in den Kommentaren versprochen, etwas zur Umgehung der Zensur mittels Tor zu schreiben. Heute ist es nun soweit.

Tor ist ja per se schon gut geeignet, um unbeobachtet zu kommunizieren. Jedoch könnten Angreifer auf die Idee kommen, einfach die Kommunikation über Tor zu blockieren und schon funktioniert dieser Kanal nicht mehr. Die Schwachstellen, die hierfür gern benutzt werden, sind die öffentlich verfügbaren Verzeichnisserver. Denn jeder Client muss sich von dort aktuelle Informationen über die verfügbaren Tor-Server herunterladen. Wenn die Verbindung zu allen der fünf Verzeichnisserver geblockt wird, dann hat der Client keine Informationen und kann auch keine Verbindung aufbauen. Der Angreifer könnte auch die Verzeichnisinformationen runterladen und die IP-Adressen der einzelnen Tor-Server extrahieren (awk ‘/^router/ { print $3 }’ /var/lib/tor/cached-routers). Jetzt kann die Verbindung zu den Rechnern gezielt über den Paketfilter gesperrt werden. Ein dritter Weg liegt in der Prüfung des HTTP-Verkehrs. Tor lädt die Verzeichnisinformationen über HTTP herunter. Somit kann man gezielt Verbindungsanfragen sperren. In der Praxis filtern viele auf den String “tor”. Diese Maßnahme lässt sich am einfachsten umgehen. In den neueren Tor-Versionen gibt es eine Option TunnelDirConns. Sobald diese auf 1 gesetzt wird, lädt der Tor-Client die Verzeichnisinformationen über HTTPS herunter und der Filter läuft ins Leere.

Die beiden zuerst beschriebenen Fälle sind etwas komplizierter. Seit diesem Jahr arbeiten die Entwickler daran, Mechanismen zur Lösung des Problems in Tor einzuarbeiten. Die Theorie basiert auf folgendem Design. Die ursprüngliche Idee stammt vom JAP und wurde für Tor weiterentwickelt. Der Grundgedanke besagt, dass man sich nicht direkt mit dem Netzwerk verbindet, sondern Hilfen, so genannte Brückenserver, benutzt. Diese nehmen eine Anfrage entgegen und leiten sie dann an das Tor-Netzwerk weiter. Für einen effektiven Schutz gegen Zensur ist es wichtig, dass die Brückenserver nicht als solche erkannt werden. Das Tor-Projekt geht verschiedene Wege. Zum einen muss ein Brückenserver nicht in einem zentralen Verzeichnis registriert sein. Das heißt, ihr könnt zu Hause selbst einen aufsetzen, von dem nur ihr wisst und gebt die Adresse des Servers an Freunde weiter. Ein dritter sieht nur eine SSL-Verbindung zu dem Server und kann nicht sagen, welche Inhalte transportiert werden. Wenn du dich entscheidest, den Brückenserver bei einem Verzeichnisserver anzumelden, wird von seiten des Projektes viel getan, um dessen Identität zu verschleiern. Details findet ihr in dem oben erwähnten Designdokument.

Wenn ihr einen Brückenserver ausprobieren wollt, reicht es, die Option UseBridges in der torrc auf 1 zu setzen. Solltet ihr einen speziellen Server nutzen wollen, dann kommt noch die Zeile Bridge 12.34.56.78:9009 hinzu. Sie legt fest, dass der Brückenserver auf der IP-Adresse 12.34.56.78 auf Port 9009 erreichbar ist. Wenn ihr den Fingerprint des Servers könnt, schreibt diesen hinter die IP-Adresse. Nun kommuniziert Tor immer über den Brückenserver. Damit sollte es einem Angreifer nicht mehr so ohne Weiteres möglich sein, eure Kommunikation mit Tor zu stören.

Momentan sind Brückenserver nur im experimentellen Code von Tor enthalten. Soweit ich das mitbekommen habe, wird diese in den nächsten Wochen freigegeben und der Code fließt in die stabile Version mit ein.

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