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Übersterblichkeit in Singapur

Im Rahmen der Corona-Pandemie gibt es immer mal wieder Diskussionen um die Übersterblichkeit. Das ist die Zahl an Menschen, der im Vergleich zum “Durchschnitt” mehr verstorben sind. Wenn es beispielsweise eine Krankheitswelle gibt, die auch in mehr toten Menschen resultiert, lässt sich das in den Kurven ablesen. Von EuroMOMO sind Zahlen für europäische Länder verfügbar.

Zur Erklärung des Sachverhalts seht ihr eine Grafik für Kinder von 0 bis 14 Jahren:

Die Grafik der Übersterblichkeit bei Kindern bietet einige interessanten Eigenheiten, denn hier gibt es ja nach Jahr unterschiedliche Verläufe:
Die braune Linie aus dem Jahr 2017 schwankt um die Nulllinie, d.h. hier gab es nahezu keine Übersterblichkeit. Deutlich anders sah es im Jahr 2019 (gelbe Linie) aus. Dort stieg die Linie die ersten vierzehn Wochen an, danach blieb die Linie in etwa gerade und ab der 45. Woche stieg die Kurve wieder an. Das heißt, sowohl zu Anfang wie auch zu Ende des Jahr starben deutlich mehr Kinder als normalerweise zu erwarten wäre. Ein Grund hierfür ist mir nicht bekannt. Ebenso interessant sind die graue und die dunkelblaue Linie. Die graue Linie des Jahres 2020 fällt ab der Woche 15 ab und geht sogar in den negativen Bereich. Die dunkelblaue Linie fällt auch ab und ab der Woche 21 mit dem Anstieg an. Die Übersterblichkeit liegt dann Ende des Jahres deutlich über der Erwartung. Dieses Jahr ist noch offen. Wenn man sich aber die hellblaue Linie anschaut, ist zu erwarten, dass die über dem sehr hohen Niveau von 2019 liegt.

Schaut euch die Charts bei EuroMOMO mal in Ruhe an. Dort könnt ihr nach anderen Altersgruppen oder auch der Gesamtbevölkerung wählen. Weiterhin gibt es dort weitere Grafiken zur Übersterblichkeit. Das ist recht interessant.

Das Gesundheitsministerium von Singapur hat die Betrachtungen zur Übersterblichkeit in der Gesamtbevölkerung etwas professioneller gemacht, als es uns Laien möglich ist. Die Ergebnisse liegen in Form des Berichts “Report on excess mortality during the COVID-19 pandemic up to June 2022” (lokale Kopie) vor.

Demnach gab es eine Übersterblichkeit von 2490 Personen über die letzten 2,5 Jahre im Vergleich zum Jahr 2019. Mehr als die Hälfte davon starben direkt an COVID-19. Der verbliebene Teil verstarb innerhalb von 90 Tagen nach einer COVID-19-Infektion. Man könnte sagen, dass diese indirekt auch an Corona gestorben sind. In der nichtinfizierten Bevölkerung wurde keine Übersterblichkeit gefunden.

Laut des Reports gab es in der Zeit keine Überlastung der Krankenhäuser. Diese schienen nach deren Maß über den Zeitraum wie gewohnt zu funktionieren.

Das Gesundheitsministerium stellt in dem Bericht auch fest, dass die ungeimpfte Bevölkerung (etwa 5% bis Mitte März 2022) überdurchschnittlich an der Zahl der Toten beteiligt ist. 28 % der Toten waren nicht vollständig geimpft.

Die beiden Grafiken zeigen den Vergleich der Zahl der Fälle und Toten zwischen Singapur und Deutschland. Bei annähernd gleicher Zahl an Fällen hat Singapur nur etwa ein Zehntel der Toten. Offensichtlich kann man die Pandemie auch anders managen.

Update: Nach einer Diskussion auf Mastodon habe ich einige Formulierungen klarer gemacht und beschrieben, warum oben die Rede von Kindern und in dem Bericht aus Singapur die Gesamtbevölkerung gemeint ist. Im erweiterten Eintrag sind nun auch die großen Bilder aus der obigen Galerie.

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