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Webfinger bei Mastodon

In meinem vorigen Beitrag hatte ich über den vergleichsweise neuen RFC 9116 geschrieben. Der RFC 742 ist hingegen schon 45 Jahre alt. Der definierte damals das Finger-Protokoll, mit dem sich Informationen über Benutzer:innen gewinnen ließen:

jens@host:~$ finger
Login     Name               Tty      Idle  Login Time   Office     Office Phone
peter     Peter Ones        *:3             Apr 19 13:09 (:3)
paul      Paul Twos         *:2             Apr 17 21:01 (:2)
mary      Mary Threes       *:1             Apr  2 22:38 (:1)

Oder für einen bestimmten Username:

jens@host:~$ finger peter
Login: peter                       Name: Peter Ones
Directory: /home/peter             Shell: /bin/bash
On since Sun Apr 17 21:01 (CEST) on :2 from :2 (messages off)
No mail.
No Plan.

Kürzlich fand ich heraus, dass ich auch Personen bei Mastodon, einem Twitter-ähnlichen sozialen Netzwerk, fingern kann. Hierzu benötigt man im wesentlichen die Domain der Mastodoninstanz und den Usernamen. Daraus wird eine Anfrage gebaut, die wieder das .well-known-Verzeichnis nutzt, welches ich schon im letzten Beitrag erwähnt hatte.

Eine Anfrage auf die Adresse https://mastodon.social/.well-known/webfinger?resource=acct:qbi@mastodon.social liefert dann folgendes Ergebnis:

{
  “subject”: “acct:qbi@mastodon.social”,
  “aliases”: [
    “https://mastodon.social/@qbi”,
    “https://mastodon.social/users/qbi”
  ],
  “links”: [
    {
      “rel”: “http://webfinger.net/rel/profile-page”,
      “type”: “text/html”,
      “href”: “https://mastodon.social/@qbi”
    },
    {
      “rel”: “self”,
      “type”: “application/activity+json”,
      “href”: “https://mastodon.social/users/qbi”
    },
    {
      “rel”: “http://ostatus.org/schema/1.0/subscribe”,
      “template”: “https://mastodon.social/authorize_interaction?uri={uri}”
    }
  ]
}

Das bedeutet, den angefragten Username gibt es und dessen Profil ist unter der Adresse https://mastodon.social/users/qbi verfügbar.

Im Allgemeinen heißt dieses Protokoll Webfinger und ist für die Mastodon-Instanzen verfügbar. Probiert es doch mal aus!

security.txt

Kennt ihr noch die Datei robots.txt, die auf verschiedenen Webseiten hinterlegt sind? Dahinter stand der Robots Exclusion Standard und die verschiedenen Bots sollen zuerst die Seite ausweren, bevor sie eine Webpräsenz indexieren. Daneben entstand auch die Idee für eine humans.txt und mit dem “Erschaffen” des .well-known-Verzeichnisses auf dem Webserver gibt es eine ganze Reihe Dateiformate zur Information oder für andere Zwecke.

Seit April 2022 gibt es nun den RFC 9116 für die Datei security.txt. Diese soll anderen helfen, Sicherheitslücken an die richtige Stelle zu melden. Denn oftmals steht das Problem, dass eine Schwachstelle gefunden wurde und es vielleicht unklar ist, wohin diese zu melden ist.

Mail wäre natürlich eine mögliche Wahl. Im besten Fall existiert sogar eine E-Mail-Adresse namens security@. Aber sehr häufig ist dies nicht der Fall. Mails an info@ oder ähnliche Adressen landen eher im Nirwana oder werden mit Standardtextbausteinen beantwortet. Daher ist ein gezielter, standardisierter Weg gut.

Der RFC 9116 definiert hierfür eben die Datei security.txt, die im Unterordner .well-known einer Webpräsenz liegen muss. Die Datei selbst muss über HTTPS erreichbar sein. Ein korrekter Pfad wäre also https://example.com/.well-known/security.txt.

Doch was darf da drin stehen? Naheliegend sind Kontaktinformationen. :-) Spezieller Informationen, an die man Informationen zu Schwachstellen melden kann. Hierfür ist der Eintrag Contact: gedacht. Dieser muss in der Datei enthalten sein und sollte die Kontaktmöglichkeiten in absteigender Reihenfolge enthalten. Daneben benötigt die Datei zwingend ein Ablaufdatum. Eine Minimalversion der Datei kann also so aussehen:

Contact: mailto:security@example.com
Expires: 2023-05-01T12:13:24+02:00

Weiterhin könnt ihr in der Datei Informationen zu einer Policy hinterlegen, welche Sprachen ihr sprecht, ob ihr Leute einstellt, wer in der Vergangenheit Lücken meldete und einen Verweis zu einem Schlüssel machen. Eine erweiterte Version der Datei sähe also so aus:

Contact: mailto:security@example.com
Contact: +49-123-456-7890
Contact: https://example.com/meldeformular.html
Policy: https://example.com/security-policy.html
Preferred-Languages: de, en
Acknowledgments: https://example.com/hall-of-fame.html
Encryption: https://example.com/pgp-key.txt
Expires: 2023-05-01T12:13:24+02:00

Hier sind mehrere Kontaktmöglichkeiten genannt. Es gibt eine Policy. Die Leute sprechen Deutsch und Englisch und ihr bekommt Infos über andere, die etwas gemeldet haben. Am Schluss findet sich auch ein PGP-Schlüssel. Optimalweise würde der über Web Key Discovery bereit gestellt. Aber das ist ein Thema für einen anderen Beitrag. ;-)

Schließlich könnt ihr den Eintrag auch noch mittels OpenPGP signieren. Dann sähe meine obige Datei so aus:

-----BEGIN PGP SIGNED MESSAGE-----
Hash: SHA256

Contact: mailto:security@example.com
Contact: +49-123-456-7890
Contact: https://example.com/meldeformular.html
Policy: https://example.com/security-policy.html
Preferred-Languages: de, en
Acknowledgments: https://example.com/hall-of-fame.html
Encryption: https://example.com/pgp-key.txt
Expires: 2023-05-01T12:13:24+02:00

-----BEGIN PGP SIGNATURE-----
Version: GnuPG v2.2.19

[Viele Zeichen, die gpg auswerten kann]
-----END PGP SIGNATURE-----

Wenn ihr also eine Schwachstelle gefunden habt, dann lohnt es sich nach der Datei zu schauen und die dort genannten Kontakte anzusprechen. Ich habe mal ein wenig gegraben. Bei den großen, bekannten Seiten, wie Google, Facebook, Twitter, GitHub usw., fand ich jeweils eine solche Datei. Seiten aus dem Microsoft-Universum wie auch viele chinesische Seiten haben keinerlei solche Informationen.

Ansonsten ist das Bild recht gemischt. Während beispielsweise Facebook und WhatsApp eine security.txt anbieten, hat Instagram keine, obwohl alle zum selben Konzern gehören.

Unter andere namhaften Seiten fand ich nichts bei

  • Reddit
  • Wikipedia
  • Zoom
  • Netflix
  • Stackoverflow
  • Apple
  • und weiteren

Hier ist also noch ein wenig Arbeit zu tun. Wenn die Datei auch bei euch oder eurem Arbeigeber fehlt, sprecht die doch an und bittet die, diese Informationen bereitzustellen (und natürlich bei Bedarf zu aktualisieren).

Siehe auch:

Update: Ich hatte übersehen, dass das Expires:-Feld auch ein Pflichtfeld ist und habe die obige Beschreibung ergänzt. Vielen Dank an Jürgen für den Hinweis!

Warum eine Onion-Adresse betreiben anstatt Menschen animieren, Tor zu nutzen

Dieser Text ist eine Übersetzung des Blogpostings Why offer an Onion Address rather than just encourage browsing-over-Tor? von Alec Muffett. Alex pflegt auch eine Liste nützlicher Onion-Adressen.


Es gibt eine Reihe von Gründen, eine Onion-Site einzurichten. Ein Reihe von Vorteilen waren für Plattformen wie Facebook, BBC oder NYTimes von Nutzen.

Die ersten Vorteile sind Authentizität und Verfügbarkeit: Wenn du den Tor-Browser benutzt und genau die richtige Onion-Adresse eingibst, bist du garantiert mit der erwarteten Seite verbunden, was du erwartest - oder eben gar nicht.

Das ist für die Menschen sehr einfach zu begreifen und auch einfach zu erklären.

Diese Funktion entschärft Angriffe, die von möglicherweise bösartigen “Tor-Exit-Knoten” ausgehen können. Die Angriffe sind zwar selten, existieren aber dennoch. Die Tatsache, dass du eine “.onion”-Adresse verwendest, setzt voraus, dass du Tor und den Tor-Browser verwendest. Dies entschärft die folgenden möglichen Angriffe:

  • landesweite Websperren
  • Man-in-the-Middle-Angriffe auf das TLS-Protokoll
  • SNI-Filter
  • Tracking und Zensur von DNS-Anfragen (betrifft sowohl Clients wie auch Exitknoten)
  • Probleme beim Tracking durch Cookies und Fingerprinting-Angriffen
  • … sowie eine Reihe weiterer Probleme

Um es anders zu formulieren: Die Werbung für eine Onion-Adresse ist ein implizites Verkaufsargument für die Nutzung von Tor.

Update: Eine Sache, die ich in der ursprünglichen Version dieses Beitrags vergaß zu erwähnen, ist, dass die Nutzung von Onion-Netzwerken für Seiten mit hohem Traffic den Druck auf die Exit-Node-Infrastruktur von Tor reduziert. Denn der Traffic fließt stattdessen durch die größere und reichhaltigere Menge an Middle-Relays, ohne Exit-Nodes und/oder das Klartext-Internet zu nutzen.

Letzteres ist wichtig und bringt uns zum zweiten (dritten?) Satz von Vorteilen:

Der Betrieb einer Onion-Site ist eine Verpflichtung [der Plattform], mit Tor-Benutzer:innen gerecht umzugehen; bei der normalen Benutzung von Tor werden die Benutzer mit allen anderen vermischt, die aus dem Internet kommen, und (seien wir ehrlich) einige Leute benutzen Tor manchmal zum Herunterladen einer kompletten Webpräsenz (Scraping) oder anderem unangenehmen Verhalten.

Das führt zu der Herausforderung, die “Spreu vom Weizen zu trennen”.

Das Einrichten einer Onion-Adresse ist jedoch ein praktischer Schritt, der zeigt, dass die Plattform explizit auf die Bedürfnisse von Tor-Nutzern eingeht, und nun kehrt sich das Problem um: Ein gewisses Maß an schlechtem Verhalten über die Onion-Adresse kann überwacht und als “schlechtes Verhalten” eingestuft werden, was den Tor-Nutzern maximale Freiheit gewährt.

Dies ist eine Angelegenheit, die ich bei Facebook hautnah miterlebt habe und auf einer Tor-Mailingliste beschrieben habe.

Wenn ich die Vorteile in einem Satz zusammenfassen sollte, wäre es folgender: Eine Onion-Adresse ist ein Versprechen und ein Mechanismus, der sicherstellt, dass du die Bedürfnisse der Leute, die Tor benutzen, ernst nimmst.

Anstatt ihnen zum Beispiel eine endlose Reihe von CAPTCHAs auf Basis der IP-Reputation aufzudrängen.

 

 

Erste Erfahrungen im Wissensmanagement mit Obsidian und Logseq

Graph meines kleinen ersten Projekts
Graph meines kleinen ersten Projekts

Im Podcast TILpod war Wissensmanagement mit Obsidian und Logseq kürzlich das zentrale Thema. Dirk Deimeke und Sujeevan Vijayakumaran berichteten über deren Erfahrungen mit den Tools Logseq und Obsidian. Im Rahmen meines Jobs betreue ich derzeit eine ERP-Software und dort gibt es viele Knöpfe, Einstellungen, Möglichkeiten etc. Daher wollte ich beide Werkzeuge mal testen und prüfen, ob die sich irgendwie in meine Arbeit integrieren lassen. Der Blogbeitrag ist das Ergebnis meiner ersten Schritte. Ich will hier mal die frischen Erkenntnisse niederschreiben.

Zettelkasten

Die Idee beider Software lehnt sich an das Zettelkastenprinzip von Niklas Luhmann an. Das bedeutet, man schreibt seine Ideen, Gedanken oder anderes auf einen Zettel. Diese Zettel sind, ähnlich wie in einem Wiki oder auf einer Webseite, miteinander verlinkt. Dadurch entsteht ein Wissensnetz und durch eine Graphansicht lassen sich neue Erkenntnisse und Einsichten gewinnen. Die Beschreibung ist sehr verkürzt. Wenn ihr euch mehr dafür interessiert, schaut euch mal das Video “Zettelkasten deutsch - Smarte Notizen schreiben” von Joshua Meyer an. Ich fand das eine gute Einführung in das Thema.

Obsidian und Logseq

Obsidian, Logseq wie auch andere Software setzen die Zettelkästen um. Es wird ein “Zettel” in Markdown geschrieben. Dadurch lassen sich die Notizen formatieren und der Text bleibt lesbar. Das heißt, die Notizen bleiben unter Umständen für die Ewigkeit erhalten. Mittels der Verlinkung in Markdown entsteht auch untereinander eine Verlinkung und ein Graph wird aufgebaut.

Obsidian ist eine proprietäre Software und wird über Github zum Download angeboten. Diese kann dann kostenlos oder derzeit einmalig für 25 bzw. 50 US-Dollar genutzt werden. Bei der kostenlosen Variante bleiben die Daten lokal auf der Festplatte liegen. Für 8 US-Dollar pro Monat lässt sich eine Synchronisation dazu buchen. Allerdings geht das durchaus auch über NextCloud, Dropbox oder ähnliche Dienste. Mir ist derzeit unklar, warum ich die Software kaufen sollte. Die Features, die beworben werden (Zugang zu “Insider Builds”, schöne Badges etc.), erscheinen mir wenig reizvoll für den Kauf.

Logseq ist Freie Software unter der AGPL-3.0-Lizenz. Sie wird ebenso über Github zum Download angeboten. Die Entwicklung der Software finanziert sich u.a. über Spenden. Wie auch bei Obsidian lassen sich die Dateien mit Cloud-Diensten synchronisieren. Zusätzlich ist auch ein Commit via git im Standardumfang enthalten.

Wann immer es geht, versuche ich, Freie Software einzusetzen. Daher würde ich gern Logseq einsetzen, sofern ich den Ansatz für das Wissensmanagement überhaupt weiter verfolge.

Mein Einstieg

Zu Anfang habe ich mir die Videoanleitungen “Zettelkasten in Obsidian” und “How to get started in Logseq” sowie ein paar andere angeschaut.

Wenn man sich die beiden Kurse anschaut, stellt man schon interessante Unterschiede fest. Der Kurs zu Obsidian nimmt die Menschen in den Fokus, die die Software erstmalig einsetzen wollen. Es gibt es Erklärung zu dem Prinzip des Zettelkastens und dann wird mit einem konsistenten Beispiel über den Kurs hinweg gearbeitet. Nach dem Video hatte ich einen guten Eindruck, wie die Software funktioniert und wie ich die nutzen kann. Der Kurs zu Logseq erzählt auf einem sehr hohen Level Konzepte und Ideen. Ich hatte hier zunächst das Gefühl, dass dies für mich wenig hilfreich ist. Beim TILpod ist noch “Logseq beginner's course” verlinkt. Damit gibt es einen besseren Einstieg in das Thema. Den Kurs empfand ich wie ein Handbuch, was vorerzählt wird.

Nachdem ich das Gefühl hatte, in etwa die Software zu verstehen, habe ich mit einem künstlichen Beispiel in Obsidian erste Schritte unternommen und mit einem realen Beispiel Logseq bespielt. Unten habe ich dann das Beispiel aus Logseq auch in Obsidian genutzt.

Mein angedachter Arbeitsablauf

Meine erste Vorstellung des Arbeitsablaufs war, dass ich zunächst ein paar grundlegende Informationen in der Software hinterlege und später diese dann um aktuelles Wissen ergänze. So gibt es beispielsweise immer mal wieder das Problem, dass beim Login in der ERP-Software die Meldung kommt, dass der Nutzer schon angemeldet sei. Hier würde ich dann in Logseq oder Obsidian eine entsprechende Seite anlegen und die Lösung beschreiben. Dies würde ich dann entsprechend verlinken und hoffentlich später wieder finden.

Soweit ich das einschätzen kann, würde Obsidian diesen Ansatz recht gut unterstützen. Jedenfalls kann ich die Ideen mit der Standardinstallation einfach so umsetzen.

Logseq arbeitet standardmäßig mit einem Journal. Das heißt, zunächst wird dort eine Seite mit dem aktuellen Datum geöffnet. Dort lassen sich tägliche Notizen machen und dann verlinken. Dieser Ansatz fühlt sich anders an, als bei Obsidian. Allerdings lässt sich hier mein obiger, geplanter Arbeitsablauf durchführen.

Vom Start weg scheint Obsidian hier besser benutzbar zu sein und das zu unterstützen, was ich machen will. Bei Logseq fiel mir das erst auf den zweiten Blick auf.

Unabhängig von meinem angedachten Arbeitsablauf erscheint mir der Ansatz von Logseq recht gut zu sein. Hier kann man seinen kompletten Tag aufschreiben und verlinken. Dadurch bildet sich eine viel größere Wissensbasis als in meinen auf einen Zweck beschränkten Beispiel.

Erste Schritte mit Obsidian

Startansicht von Obsidian
Startansicht von Obsidian

Beim ersten Öffnen von Obsidian fragt die Software nach einem so genannten Vault. Das ist so eine Art Projektansicht. Nachdem entweder eine existierende geöffnet oder eine neue angelegt wurde, kann es losgehen. Datei um Datei entsteht dann ein Wissensspeicher.

Wenn das linke Vorschaufenster ausgeklappt ist, sind die Dateien sichtbar. Die Ansicht finde ich im Moment recht nützlich, weil sie mir einfach einen Überblick über existierende Dateien verschafft. Vermutlich wird das aber im Laufe der Zeit eine immer kleinere Rolle spielen.

In den Videoanleitungen zu Obsidian gab es noch einen Hinweis zu Aliasen. Dieses Feature fand ich recht nützlich. Denn im Rahmen meines Anwendungsfalles gibt es einen Baustein namens “Auftrag”. Wenn ich im Text hierauf verweise, kann es sein, dass ich manchmal Aufträge, Aufträgen etc. schreiben muss. Mittels Aliases kann das alles auf eine Seite umgebogen werden.

Ansicht eines Eintrages mit Graph
Ansicht eines Eintrages mit Graph

Erste Schritte mit Logseq

Initiale Ansicht von Logseq
Initiale Ansicht von Logseq

Beim ersten Öffnen von Logseq erscheint eine Art Info-Bildschirm. Dieser informiert über die ersten Schritte bei der Bedienung der Software. Allerdings fehlte mir die Information, wie ich über den Start hinaus komme. Innerhalb des Tutorials kann man arbeiten, neue Seiten anlegen etc. Aber wie arbeitet man nun produktiv? Erst später fiel mir auf, dass es rechts oben den Eintrag “Öffnen” gibt. Darüber kann man ein Verzeichnis angeben. Die Daten werden dann in diesem Verzeichnis abgelegt.

Interessanterweise fand ich keine Möglichkeit, wieder zu dem Startbildschirm zurück zu wechseln. Man kann neue Seiten anlegen und zwischen diesen wechseln. Aber der Startbildschirm scheint verschwunden zu sein.

Der Arbeitsablauf bei Logseq basiert nun auf dem Journal. Es wird eine Datei mit dem aktuellen Datum angelegt. Dort lassen sich dann Informationen, TODO-Einträge und vieles mehr ablegen. Über Verlinkungen werden dann auch einzelne Seiten angelegt. Es fühlt sich für mich so an, als ob das Journal der Kern der Software wäre.

Mir fehlt eine Ansicht der Dateien. Es gibt zwar Neueste und Favoriten. Aber ich würde mir für den Anfang eine Überischt aller Dateien wünschen. Diese lässt nur über den Menüeintrag “Alle Seiten” öffnen. In dem Fall öffnet sich dann ein neues Fenster.

Neben den obigen Punkten muss ich mich vermutlich noch in die Software einfinden. Rein optisch stören mich die Punkte am linken Rand. Das ist vermutlich eine Markierung für den Block. Aber gerade bei Überschriften sieht das merkwürdig aus.

Detailansicht eines Eintrags in Logseq
Detailansicht eines Eintrags in Logseq

Vorläufiges Fazit

Für meinen Anwendungsfall (Wissen bei einer spezifischen Software dokumentieren) scheint mir Obsidian die passendere Software zu sein. Die unterstützt das, was ich will, bestmöglich. Das geht natürlich auch mit Logseq. Aber hier habe ich den Eindruck, dass ich da immer mal einen Klick oder einen Befehl zusätzlich verwenden muss und die Software da mehr im Weg steht.

Ganz allgemein finde ich jedoch den Ansatz von Logseq, alles in ein Log zu schreiben und Dateien zu pflegen, sehr gut. Dadurch erhält man einen guten Überblick über die täglichen Aufgaben, TODOs und anderes. Ganz nebenbei wird eine Wissensdatenbank aufgebaut. Logseq bietet auch die Möglichkeit, die Dateien in ein git zu committen. Das will ich mal ausprobieren.

Wenn beide Anwendungen ähnliche Voraussetzungen hätten, würde ich vermutlich Obsidian nutzen. Die Software macht mir den Eindruck, als ob sie meinen Arbeitsfluss deutlich besser unterstützen würde. Allerdings bevorzuge ich eben Freie Software, so dass ich die nächsten Schritte erstmal mit Logseq machen werde. Eventuell werde ich später über die weitere Erfahrungen berichten.

Nutzt ihr auch Obsidian, Logseq, Roam oder etwas ähnliches? Wie sind eure Erfahrungen und wie setzt ihr die Software ein?

Noice

Bei meiner Liste der Android-Apps fielen mir einige auf, die ich mal näher vorstellen will. Heute ist Noice dran.

Wie könnt ihr am besten arbeiten? Bei absoluter Ruhe, mit Musik oder stört euch der Geräuschpegel gar nicht?

Ich habe festgestellt, dass absolute Ruhe mich eher ablenkt. Für gute Konzentration benötige ich entweder Musik oder eine andere Form von Geräuschen. Vor einigen Jahren war ich in Deutschland unterwegs und in dem Ort gab es weder vernünftige Handyabdeckung noch funktionierendes WLAN. In fahrbarer Nähe gab es einen Erlebnispark mit kostenlosem und funktionierendem WLAN. Dort sass ich inmitten eines Kinderspielplatzes und konnte arbeiten, ohne dass mich die Geräuschkulisse stört.

Bei meinen Streifzügen durch F-Droid stieß ich auf die App Noice. Diese stellt verschiedene Geräusche zur Verfügung und spielt diese einzeln oder gemischt vor.

So könnte ich beispielsweise simulieren, dass ich in einem Flugzeug sitze, zu verschiedenen Zeiten kommt mal ein Anschnallsignal während es durch ein Gewitter fliegt und sich die Menschen im Flugzeug unterhalten. Oder ich sitze am Meer höre das Rauschen bei leichtem Wind und mildem Regen.

Durch diese Einstellungen ergibt sich eine Geräuschkulisse, die im Hintergrund da ist, ohne wirklich zu stören. Wenn ihr also auch auf Hintergrundgeräusche steht, holt euch die App aus dem F-Droid-Store.

Liste von Android-Apps

Bei Jörg sah ich kürzlich eine Liste von Android-Apps, die er verwendet. Solch eine Liste kann eine gute Idee sein, um neue interessante Apps zu finden. Daher habe ich beschlossen, auch eine solche Liste aufzustellen.

Systemfunktionen

Büro

Kommunikation

Multimedia

  • Antennapod: Verwaltung von Podcasts
  • Newpipe: Zugriff auf Youtube, Soundcloud, media.ccc.de und anderes
  • SkyTube: Zugriff auf Youtube
  • VLC: Video- und Musikabspielprogramm
  • Zapp: Streams der öffentlich-rechtlichen Sender anschauen

Sonstiges

Corona-Vergleich zwischen USA, Dänemark und Slowenien

Bei meinen Reisen durch die Statisken bei OWID verglich ich kürzlich verschiedene Länder bezüglich deren Impfungen, Einweisungen in Krankenhäuser etc. Dabei stieß mir der Vergleich zwischen den USA, Dänemark und Slowenien ins Auge.

Grafik verschiedener Corona-Parameter

Vergleich der Impfdosen, Corona-Infektionen, Patienten auf den Intensivstationen und Todesfällen der Länder USA, Dänemark und Schweden

Auf dem Bild links oben ist der Verlauf der Impfungen in den einzelnen Ländern gedruckt. Dabei liegt Dänemark weit vorn, gefolgt von den USA und am Ende liegt Slowenien. Zu Ende Januar 2022 sind in Dänemark weit über 80% der Bevölkerung vollständig geimpft (USA: 63%, Slowenien: 58 %).

Links oben sind die aktuellen Fallzahlen. Sowohl Dänemark wie auch Slowenien schießen nach oben während die USA weniger als die Hälfte der slowenischen Fallzahlen hat.

Links unten sind dann die Personen auf den Intensivstationen verzeichnet. Insbesondere Slowenien hat hier einen enormen Ausschlag. Leider fehlt bei OWID eine Möglichkeit, die Gesamtzahlen zu ermitteln. Aber grob geschätzt sind die Zahlen zwischen Oktober 2020 und Juli 2021 sowie September 2021 bis jetzt (Januar 2022) etwa gleich. Die Zahlen aus den USA sind leicht geringer geschätzt und Dänemark liegt dann deutlich darunter.

Schließlich finden sich rechts unten die Anzahl der Todesfälle. Bis Ende Oktober 2020 lagen die USA deutlich an der Spitze gefolgt von Dänemark und am Ende Slowenien. Ab Dezember 2020 bis heute sind die Todeszahlen in Slowenien am höchsten dicht gefolgt von den USA. Dänemarkt hat etwa ein Viertel der Zahlen der anderen beiden Länder.

Der Vergleich zeigt, dass Dänemark unter den drei Ländern bisher am besten durch die Pandemie gekommen ist. Sowohl Fallzahlen, wie auch Menschen in den Krankenhäusern wie auch die Todeszahlen liegen deutlich unter den USA und Slowenien. Aber auch im Zeitreihenvergleich steht Dänemark gut da. Heute hat das Land fünfzehnmal mehr Fälle als zu Weihnachten 2020. Jedoch liegen des Todesfälle deutlich unter den Hochs aus der Zeit. Aktuell liegen die etwa halb so hoch, sind aber noch am steigen.

Diese Entkopplung von Fall- und Sterbezahlen zeigt sich bei allen drei (und auch bei anderen) Ländern:

Vergleich der Fall- und Todeszahlen
Vergleich der Fall- und Todeszahlen

Ich habe die Ansicht in der obigen Grafik mal auf den Zeitraum zwischen Dezember 2020 und 2021 beschränkt. Denn durch den hohen Anstieg der Fallzahlen wird die Kurve zu “flach”. Bereits hier zeigt sich die Entkopplung von Fall- und Todeszahlen. In Dänemark und Slowenien gehen die Fallzahlen deutlich hoch, während die Zahl der Toten deutlich weniger steigt. Für Slowenien zeigt sich der Effekt noch viel deutlicher, wenn der Startzeitpunkt im OKtober 2020 liegt. Allerdings hinterlässt die Omikron-Wand in Slowenien schon jetzt deutliche Spuren. Dort hat sich die Zahl der Toten in den letzten beiden Wochen verdoppelt (bei einer Verdrei- bis Vervierfachung der Fallzahlen). Wenn sich das so fortsetzt, sollten die Zahlen etwas über die Spitze der Delta-Welle steigen und immernoch deutlich unter denen vom Jahresende 2020 liegen.

Aus meiner Sicht zeigt sich in diesen Zahlen der Erfolg der Impfung. Alle anderen Maßnahmen sind zu verschiedenen Graden in den betreffenden Ländern heruntergefahren worden. So dass die Impfung hier einen großen Schutzfaktor einnimmt.

Im Falle der USA ist der Effekt nicht so deutlich mit Bildern zu sehen. Hier müsste man die Daten mehr nach den einzelnen Ländern aufgliedern und würde dort dann ebensolche interessanten Erkenntnisse gewinnen. Das ist jedoch Thema für einen anderen (noch nicht geschriebenen) Blogbeitrag. :-)

Impf-Erfahrung

Ich hatte kürzlich das Glück, eine Impfung gegen COVID-19 zu erhalten und will von meinen Erfahrungen berichten.

Als die Impfungen begannen, schaute ich mir die Impfreihenfolge an und war der Meinung, dass ich in der letzter Gruppe sei. Da es aber immer wieder Meldungen in den Medien zu liegengebliebenen Impfdosen gab, besuchte ich verschiedene Impfzentren in der Umgebung. Dort fragte ich die Leute, ob denn Chancen auf solche Dosen bestehen. In den Impfzentren Jenas wurde mir gesagt, dass es Wartelisten gibt. Dort sind Leute mit hoher Priorität eingetragen und wenn Dosen übrig bleiben (was oft passiert), werden diese Listen durchtelefoniert. Als “Fremder” hat man keine Chancen. Die Lösung ist natürlich sehr gut, um weiterhin möglichst viele Leute aus der hohen Priorität zu impfen und ich empfand das als gut durchdacht. Andere Impfzentren in der Umgebung machten das anders. Da wurden dann Partner der zu impfenden Personen oder auch schon mal zufällige Leute von der Straße gefragt. Da es bei letzeren für  mich eine kleine Chance auf eine Impfung gab, besuchte ich diese hin und wieder. Leider ergab sich dort, bis auf nette Gespräche mit dem Personal, nichts.

Ende März meinte dann jemand zu mir, dass ich doch für eine Impfung berechtigt sei. Ein Blick in die Impfverordnung bestätigte diesen Eindruck. Also öffnete ich flugs die Seiten des Impfportals in Thüringen und versuchte, einen Termin zu bekommen. Ich konnte zwischen zwei Terminen wählen. Beide waren zwei Tage später, einer um 9:00 Uhr und einer um 9:03 Uhr. Da ich lieber eher dran kommen wollte, wählte ich den ersteren. ;-)

Zur Vorbereitung auf die Impfung sind einige Dokumente auszufüllen und mitzubringen. Neben den Dokumenten braucht man den Impfausweis, Personalausweis (oder ähnliches Ausweisdokument) sowie einen Stift.

Mein Termin fand im Impfzentrum in Gera statt. Ich traf gegen 8:50 Uhr ein. Vor dem Eingang stand eine Warteschlange von ungefähr 10 Leuten. Eine der Wartenden zeigte Erkältungssymptome (Schnupfen, Husten). Später wurde die dann auch von den Bediensteten in separate Räume gebracht. Ich frage mich natürlich, ob diese mit dem Virus infiziert war.

Am Einlass kontrollierte ein privater Wachdienst meinen Ausweis und eine zweite Person mass die Körpertemperatur. Dann ging es in die nächste Warteschlange.

Am Ende der Warteschlange wartete ein Anhöriger der Bundeswehr und sagte uns, welche Dokumente wir bereit halten sollen (Einwilligung, Anamnesebogen, Impfaufklärung). Ich hatte die Dokumente zwei Tage vorher ausgefüllt und ausgedruckt. Dennoch war die Impfaufklärung veraltet. Es gab ein neues Dokument vom März 2021. Vermutlich wurde hier auf die Sinusvenentrombosen hingewiesen. Mit allen Dokumenten ging es dann zur Anmeldung und das war der Punkt, wo ich am nervösesten war. Mir war bis dahin unklar, ob ich wirklich berechtigt bin oder ob ich vielleicht irgendeinen Passus übersehen habe. Daher hatte ich mir Dokumente und Argumente eingepackt, um die Person zu überzeugen. Interessanterweise fragte die Person am Tresen mich nur, aus welchem Grund ich hier sei. Ich sagte diesen und damit war das OK. Weder wurden die Dokumente noch die Argumente geprüft und ich war erleichtert. :-)

Nach der Anmeldung kommt der Wartebereich zur Aufklärung. Jede Person erhält eine Wartenummer und muss in die entsprechende Kabine. Vor mir waren 44 Personen. Bis ich dann effektiv dran war, vergingen 15-20 Minuten. Das heißt, in dem Zeitraum wurden zwei bis drei Leute pro Minute durchgeschleust. Die Aufklärung selbst war unspektakulär. Der Arzt wollte wissen, ob ich mich impfen lassen will und ob ich Fragen habe. Danach klärten wir, in welchen Arm die Spritze kommt und ich war wieder raus.

Am Ausgang der Kabine wartete dann schon jemand, die mich zum Impfen begleitete. Arm frei machen, Spritze rein und um 9:45 Uhr war ich geimpft. Danach schloss sich eine Wartezeit von 15 Minuten an. Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich auch nicht eher rausgelassen würde.

Also nahm ich in dem Wartebereich Platz. Dort sassen ebenfalls so zwischen 30 und 40 Personen. Kaum hatte ich Platz genommen, gab es einen dumpfen Schlag. Drei Plätze neben mir fiel jemand vom Stuhl und war bewusstlos. Sofort kamen drei Leute, von denen mindestens einer ein Arzt war, herbei und kümmerten sich um die Person. Als diese wieder bei Bewusstsein war, wurde die in ein separates Zimmer eskortiert und wurde vermutlich weiter überwacht.

Schließlich machte ich mich auf den Weg zum Ausgang. Dort musste ich meinen Impfausweis mit dem Aufkleber vorzeigen. Ich hatte bei dem Gespräch die ganze Zeit das Gefühl, dass irgendetwas merkwürdig ist. Bei der Verabschiedung fiel es mir dann auf. Die Person war die Einzige, die keine Maske trug. :-/ Um 10:07 Uhr war ich dann wieder draußen.

Ihr fragt euch sicher, welche Impfreaktionen ich bemerkte. Natürlich hörte ich nach der Impfung immer wieder in mich hinein. Ein Gefühl, was mir recht schnell auffiel, war ein Kribbeln im Unterarm. So ab ca. 18 Uhr begann ich etwas zu Frösteln. In der Nach wachte ich dann irgendwann auf und hatte erhöhte Temperatur und fühlte mich schwach. Daher habe ich das dann auch nicht nachgemessen. Der Morgen startete mit Kopf- und Gliederschmerzen sowie einem Gefühl der Abgeschlagenheit. Letzteres ging noch bis in die Abendstunden. Daneben schmerzt die Einstichstille auch noch heute. Alles in allem empfiehlt es sich mindestens einen Tag Ruhe nach der Impfung einzuplanen. In einigen Fällen hörte ich, dass Leute auch nach zwei Tagen Probleme hatten. Die Impfreaktionen waren natürlich nichts im Vergleich zu den vermeintlichen Auswirkungen einer COVID-19-Erkrankung.

Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass das Impfzentrum die Prozesse gut durchorganisiert hat. Es gab natürlich Wartezeiten, die durch den hohen Andrang bedingt waren. Aber alle Stationen waren besetzt und es wurde zügig gearbeitet. Trotz des hohen Tempos waren alle Leute sehr freundlich. Insgesamt kann ich allen Beteiligten nur ein großes Lob aussprechen.

Der IFG-Hack des Tages

Die Informationsfreiheitsgesetze sind ein wundervolles Instrument, um öffentliches Handeln transparenter zu machen. Mit einer Anfrage lassen sich verschiedene Informationen beziehen und die Plattform Frag den Staat macht es einfach, solche Anfragen zu stellen. Ein Blick auf die letzten Anfragen ist immer recht interessant.

So stieß ich kürzlich auf eine Anfrage einer Person, die von der TU Dortmund die Kosten für den Einsatz von Zoom und Webex wissen wollte. Spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie setzen viele Unternehmen und auch Universitäten auf Videokonferenzen. Zoom und Webex sind zwei solcher Lösungen. Eine Frage nach den Kosten des Einsatzes sollte einfach zu beantworten sein. Jedoch beobachte ich, dass sich viele Stellen schwer tun und versuchen, “Gegenargumente” zu finden.

So war es auch im Fall der TU Dortmund. Zunächst wurde die Anfrage nicht innerhalb der gesetzlichen Frist beantwortet. Die Person mahnte zweimal eine Antwort an. Schließlich antwortete die Uni, dass sie die Antwort gern als Brief versenden wollen und daher die Adresse benötigen.

Die Angabe einer Adresse ist bei solchen Anfragen in der Regel nicht nötig, da Anfragen von jeder Person gestellt werden können. Die öffentliche Stelle kann einfach auf die E-Mail anworten. Die Uni beharrte jedoch auf der Angabe einer Adresse und so schaltete die Person den Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW (LDI NRW) ein. Der bestätigte, dass Anfrage und Antwort per E-Mai erfolgen müssen. Er schrieb in seiner Antwort auch von Ausnahmen, unter anderem kann bei einer Ablehnung der Anfrage die Adresse erfragt werden. Nach zwei Monaten Wartezeit kam die TU Dortmund dann zu dem Schluss, dass der Bescheid abgelehnt werden soll und fragte wieder nach der Adresse. Nach weiterer Vermittlung durch das LDI NRW schickte die Uni eine kurze Begründung über die Ablehnung. Sie beriefen sich auf den Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen nach § 8 IFG NRW.

An der Stelle begann der Antragsteller nun kreativ zu werden. Die Uni bat an, den Bescheid zuzusenden oder vor Ort abzuholen. Natürlich wollte die Person Letzteres, worauf die Uni meinte, dass die Gebäude wegen Corona verschlossen sein. Immerhin wurde eine Terminvereinbarung angeboten. In einer überraschenden Wendung verzichtete der Antragsteller nun auf die Abholung und brachte die DSGVO in Stellung. Der Art. 15 Abs. 3 Satz 1 DSGVO sagt:

Der Verantwortliche stellt eine Kopie der personenbezogenen Daten, die Gegenstand der Verarbeitung sind, zur Verfügung.

Im Rahmen der Anfrage wurden personenbezogene Daten verarbeitet. Insbesondere auf dem Bescheid sollte der Name und ggf. weitere Daten enthalten sein. Damit müsste der Bescheid im Rahmen der Anfrage nach der DSGVO an den Antragsteller geschickt werden.

Im weiteren Verlauf der IFG-Anfrage ist jedoch zu sehen, dass dies die Uni zunächst nicht gemacht hat und die Person das moniert. Es ist also spannend zu beobachten, wie die Anfrage weiter verläuft. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Kommunikationswerkzeuge im Jahr 2021

Gegen Ende des Jahres 2019 habe ich eine Liste meiner Kommunikationswerkzeuge aufgeschrieben. Im Matrixkanal vom TILpod (übrigens sehr empfehlenswerter Podcast ;-)) haben wir über verschiedene Messenger gesprochen und dabei fiel mir auf, dass ich die Seite mal aktualisieren sollte.

Nutze ich

  • E-Mail (ist für mich eines der Hauptkommunikationsmittel. Hinweise zum Schlüssel findet ihr auf der Kontaktseite.)
  • Signal
  • Matrix (@qbi:matrix.kraut.space)
  • XMPP/Jabber
  • Threema (PWB22538)
  • Jitsi
  • BigBlueButton (meist für Videokonferenzen des Hackspace Jena)
  • Briar (Kontakt gern auf Anfrage)
  • Keybase
  • Mumble
  • SMS
  • Twitter oder Mastodon DM (nicht aktiv genutzt, wird aber als Kanal genutzt)
  • Wire
  • Zoom
  • Delta.Chat (deltachat[]kubieziel.de ist die korrekte Adresse)
  • Auf einem Extra-Rechner kommt für Kundenprojekte noch MS Teams und Google Meet zum Einsatz. Das erwähne ich hier aber eher der Vollständigkeit halber. :-)

Delta.Chat und Wire werden recht selten verwendet. Daher kann es sein, dass die beim nächsten Update in die untenstehende Kategorie verschoben werden.

Nutze ich nicht (mehr)

  • Mattermost
  • Slack (ist im wesentlichen durch Matrix ersetzt worden)
  • Telegram
  • WhatsApp

Alles, was nicht genannt ist, fällt vermutlich in die Kategorie nicht genutzt. ;-)

Thüringens Finanzministerium spricht sich gegen eine Sperrung von Tor aus

Im März 2020 wollte ich die Webseite des Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (TMASGFF) besuchen. Jedoch war der Versuch nicht von Erfolg gekrönt. Die Seite ludt nicht. Auch nach mehreren Versuchen hatte ich keinen Erfolg. Ich fand dies recht verwunderlich, da die anderen Webseiten der Thüringer Behörden schnell im Tor-Browser angezeigt werden.

Bei meinen Nachforschungen stellte ich fest, dass die Webseite bei dem Provider Alfahosting betrieben wird. Bei Alfahosting habe ich seit vielen Jahren den Eindruck, dass die Tor blockieren. Das heißt, wenn man den Tor-Browser nutzt, lassen sich die Seiten nicht aufrufen, sondern laufen ins Leere. Bei meinen früheren Tests ließ sich nur die Homepage des Providers selbst über Tor abrufen. Bei den Seiten der Kunden hatte ich hingegen keinen Erfolg. Dies erklärte auch, warum die Seite des Sozialministeriums nicht abrufbar war.

Ich fragte also beim Ministerium nach einer Begründung für die Blockade. Das Ministerium hatte wichtige Informationen zu der Corona-Pandemie und daher fand ich es wichtig, dass möglichst alle Informationen abrufen können. Das TMASGFF begründete das Vorgehen mit kriminellen Aktivitäten, insbesondere Hacker-Angriffen. Mit Blick auf das gesteigerte Sicherheitsrisiko wurde die Sperrung als legitim erachtet.

Die Antwort aktivierte meinen IFG-Sinn. :-)

Wenn die obige Antwort so korrekt ist, muss es ja Zahlen zu den Angriffen aus dem Tor-Netzwerk geben. Diese interessierten mich. Also bat ich das TMASGFF, mir Angaben zu Angriffen aus dem Tor-Netzwerk und über das Nicht-Tor-Netzwerk zu senden (Anfrage über den Onion-Service). Meine Anfrage wurde an den Provider weitergegeben. Dieser prüfte und prüfte und prüfte … Drei Monate später hatte ich immer noch keine Antwort und hakte nach.

Mitte Juni erhielt ich die wenig befriedigende Antwort:

Konkrete Zahlen (Anzahl und Art von Angriffen auf unserer Seite) kann unser Dienstleister aus Sicherheitsgründen nicht an uns übermitteln.

Immerhin hatte das Ministerium in der Zwischenzeit beim Landesrechenzentrum nachgefragt und wurde von dort an den Beauftragten für Informationssicherheit verwiesen.

Mitte Oktober 2020 fiel mir auf, dass https://www.tmasgff.de/ plötzlich aus dem Tor-Netzwerk verfügbar war. Also fragte ich nochmal nach und erhielt dann zur Antwort:

Der Zugriff auf reine Informationsseiten aus dem Tor-Netzwerk stellt nach Auffassung des Thüringer Finanzministeriums kein besonderes Risiko dar, das eine Netzsperre für IP-Adressen von Tor-Exit-Nodes rechtfertigt. Das Thüringer Finanzministerium wird daher eine grundsätzliche Sperrung von Tor-Exit-Nodes nicht empfehlen.

Diese Aussage stammt vom Informationssicherheitsbeauftragten des Freistaats Thüringen, der beim Finanzministerium angesiedelt ist.

Ich bin sehr froh über diese Einschätzung und teile diese vollumfänglich. :-)

Protokoll der mündlichen Anhörung zur VDS beim europäischen Gerichtshof

Bastien Le Querrec von La Quadrature du Net fertigte ein Protokoll der mündlichen Anhörung vor dem europäischen Gerichtshof an. Die klagenden Verbände sowie die Beklagten bekamen Zeit Stellung zu nehmen und Fragen der Richterinnen und Richter zu beantworten. Das Originaldokument gibt es nur in französisch. Ich habe es daher mit Hilfe von DeepL, Google Translate und von Chloé Berthélémy ins Deutsche übersetzt. An einigen Stellen ist die Übersetzung noch etwas holprig. Solltet ihr Verbesserungen haben, hinterlasst bitte einen Kommentar oder schickt mit eine E-Mail.

Im erweiterten Eintrag unten findet ihr den gesamten Text des Protokolls. Alternativ könnt ihr diesen auch als PDF-Datei herunterladen.

"Protokoll der mündlichen Anhörung zur VDS beim europäischen Gerichtshof" vollständig lesen

Thomas L. Kemmerich und der Datenschutz

Kürzlich stolperte ich über einen Tweet des Spitzenkandidaten der FDP, Thomas L. Kemmerich. Darin steht »Bei der DSGVO haben wir Maß und Mitte verloren. Hier muss Datenschutz bedeutend praxisnäher gestaltet werden für Fußballvereine, Ehrenamt und Handwerker. […]« Das wirft natürlich die Frage auf, wie er und sein Unternehmen es damit halten.

Kemmerich ist Vorstandsvorsitzender der Friseur Masson AG. Also besuchte ich die Webseite des Unternehmens und schaute mich dort um. Im Hintergrund lasse ich ein kleines Plugin laufen, welches mir Anfragen an andere Seiten anzeigt. Der weiße Punkt in der Mitte ist der Aufruf der Originalseite. Die Dreiecke weisen darauf hin, dass meine Daten noch an weitere Webseiten weitergegeben wurden. Insgesamt waren es 19 fremde Seiten. Darunter sind Unternehmen wie Facebook, Google, Doubleclick, Squarespace usw.

Was sagen denn die Datenschutzhinweise auf der Webseite? Laut der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) müssen Kontaktdaten des Verantwortlichen und die des Datenschutzbeauftragten (DSB) genannt werden. Doch die Kontaktdaten eines DSB sucht man auf der Seite vergebens. Heißt das, dass kein DSB benannt wurde? Die Friseur Masson AG wies im Jahresabschluss vom Jahr 2017 eine Zahl von 160 Beschäftigten aus. Das BDSG fordert schon ab 10 Personen, die ständig mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten beschäftigt sind, eine solche Position. Da scheint es schwer vorstellbar, dass bei 160 Beschäftigten keine solche Pflicht anfällt.

Die Datenschutzhinweise gehen auf eine Weitergabe der Daten an Instagram und Google Maps ein. Ich konnte weder eine Erwähnung von Facebook, Google, Doubleclick, Alphabet, Squarespace oder anderen finden. Das heißt, ein argloser Besucher, der sich über die Datenverarbeitung informieren will, bekommt hier nur sehr halbherzige Informationen.

Das Analysewerkzeug Webkoll findet insgesamt 111 Anfragen an 17 eindeutige Rechner und 6 Cookies von fremden Quellen. Über all das schweigen sich die Datenschutzhinweise aus. Da muten sich die schwachen Algorithmen bei der TLS-Verschlüsselung fast wie eine Lappalie an.

Natürlich muss der obligatorische Satz in den Datenschutzhinweisen nicht fehlen:

Die Betreiber dieser Seiten nehmen den Schutz Ihrer persönlichen Daten sehr ernst. 

Wie ernst das zu nehmen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Herr Kemmerich hat mit dem Tweet ein Indiz gegeben, wie ernst er es selbst mit dem Datenschutz meint.

Delta Chat mit GMail betreiben

Vor kurzem schrieb ich in einem Artikel über meine Kommunikationswerkzeuge. Dort fehlte ein Werkzeug, welches ich schon seit längerem auf dem Schirm habe, aber noch nie wirklich getestet hatte: Delta.Chat.

Die Software erlaubt es, mit anderen zu chatten und nutzt im Hintergrund E-Mail zur Verteilung der Chatnachrichten. Damit kann man mit allen Leuten chatten, die eine E-Mail-Adresse haben. Das hat natürlich den großen Vorteil, dass nahezu alle erreichbar sind. Delta Chat legt einen OpenPGP-Schlüssel an und verschlüsselt die Nachrichten, sofern der Empfänger ebenfalls einen hat.

Somit werden die Nachrichten von Leuten, die Delta Chat einsetzen verschlüsselt verschickt. Vermutlich klappt das auch. Ich habe es noch nicht probiert. Bei allen anderen werden die Nachrichten als E-Mails unverschlüsselt geschickt.

Nun wollte ich ein GMail-Konto benutzen, um einen Test mit Delta Chat zu machen. Ich gab meine Zugangsdaten ein und es klappte nicht:

Fehler bei Delta Chat

Delta Chat nimmt zu Port 143 Kontakt auf, obwohl 993 eingestellt ist.

Auf eine Nachfrage bei Twitter und Mastodon meldete sich einer der Entwickler und bat darum, das Log zu exportieren. Ein Blick auf diese Meldungen verriet mir, dass Delta Chat erfolglos versuchte, sich bei Google anzumelden. Dies lag an der aktivierten Zwei-Faktor-Authentifizierung. Wer dies aktiviert hat, muss unter Umständen pro Anwendung ein spezielles Passwort anlegen. App-Passwort

Geht dazu auf euren Google-Account. Im Bereich Sicherheit gibt es einen Menüeintrag für App-Passwörter. Unten auf der Seite wählt ihr eine App und ein Gerät aus. Danach könnt ihr die App-Passwörter generieren. Dieses 16-stellige Passwort könnt ihr nun direkt bei Delta Chat als Passwort zusammen mit eurer E-Mail-Adresse eintragen. Solltet ihr einen “normalen” GMail-Account haben, so bestätigt ihr die Einstellungen und mit etwas Glück seid ihr fertig.

In meinem Fall lautete das GMail-Konto nicht auf @gmail.com, sondern auf eine andere Domain. Delta Chat versuchte daher zuerst, sich mit einem Server unter der Domain zu verbinden. Da dieser nicht existierte, gab es eine weitere Fehlermeldung.

Wenn man bei Delta Chat die erweiterten Einstellungen öffnet, kann man dann die korrekten Server von GMail einstellen. Allerdings klappte dies bei mir auch erst im zweiten Versuch. Denn obwohl der Port 993 eingestellt war und automatisch die korrekte IMAP-Sicherheit gewählt werden sollte, klappte dies nicht. Ich musste explizit SSL/TLS einstellen:

Screenshot
Screenshot mit den korrekten Einstellungen

Nach diesen Einstellungen klappte alles und ich konnte meine ersten Versuche starten. Falls es also bei dir auch nicht klappen sollte, hilft dir vielleicht die obige Beschreibung.

Wenn ihr mit mir Kontakt aufnehmen wollt, so könnt ihr die Adresse <deltachat@kubieziel.de> verwenden. Es kann jedoch sein, dass ich irgendwann das Testen einstelle und die Adresse wieder lösche. :-)

Kommunikationswerkzeuge

Dirk beschreibt in einem Blogposting und dem Update dazu seine Kommunikationswerkzeuge. Ich habe mir mal angeschaut, wie das bei mir aussieht:

Nutze ich

  • E-Mail (ist für mich eines der Hauptkommunikationsmittel. Daher kann ich Dirks These so nicht unterschreiben.)
  • Signal
  • XMPP/Jabber
  • Jitsi
  • Keybase
  • Matrix (@qbi:matrix.kraut.space)
  • Mumble
  • Slack (nicht wirklich erreichbar, da ich den Client nur manchmal öffne)
  • SMS
  • Threema
  • Twitter DM (nicht aktiv genutzt, wird aber als Kanal genutzt)
  • Wire
  • Zoom

Nutze ich nicht (mehr)

  • Briar (würde ich gern, hier fehlen mir Leute, die das auch benutzen)
  • Mattermost
  • Telegram
  • WhatsApp

Alles, was nicht genannt ist, fällt vermutlich in die Kategorie nicht genutzt. ;-)

cronjob