Skip to content

Warum kannte die Polizei die Terroristen und fing sie nicht?

Die Nachrichten über die schlimmen Terroranschläge in Brüssel ziehen am Nachrichtenticker vorbei und schon beginnen wieder die üblichen Diskussionen. Die Innenpolitiker fordern mehr Überwachung, andere machen die Flüchtlinge oder Angela Merkel verantwortlich, wieder andere weisen darauf hin, dass Flüchtlinge gerade vor dem Terror geflohen sind etc. Es tauchen auch, wie bei anderen Anschlägen, Meldungen auf, dass die Kriminellen schon vorab den Behörden bekannt waren und es wird die Frage gestellt, warum nichts gemacht wurde. Einer der Gründe ist die Mathematik, die gegen die Behörden spielt. Warum ist das so?

Zu Anfang treffe ich ein paar Annahmen: Ich verwende Belgien als Beispiel. Das Land hat ca. 11 Millionen Einwohner. Weiterhin bräuchte ich eine Zahl potenzieller Terroristen. Jetzt nehme ich mal an, es gäbe nur islamistischen Terrorismus. In Deutschland meldet das Bundesamt für Verfassungsschutz ein islamistisches Personenpotenzial von knapp 44.000 Menschen. Angenommen die Zahl lässt sich 1:1 auf Belgien übertragen, so leben dort gerundet 5.500 Menschen mit einem islamistischen Personenpotenzial. Das Ziel der Behörden ist nun, diese Personen zuverlässig zu filtern und ggf. zu beobachten.

Dazu werden Überwachungs-, Datenauswerte- und Kontrollmaßnahmen installiert. Das System ist so leistungsfähig, dass es 99,9% aller Terroristen erkennt. Also nur in einem Tausendstel der Fälle wird ein Terrorist nicht als solcher erkannt. Aber es erkennt auch Normalbürger in einem Prozent der Fälle fälschlicherweise als Terroristen.

Das System ist in Betrieb und bringt einen Alarm, dass es einen Terroristen erkannt hat. Aber ist dies wirklich einer und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit? Geht mal in euch und versucht, eine Schätzung abzugeben.

Um die Frage zu beantworten, stellen wir uns vor, dass System würde ganz Belgien durchleuchten. Es würden also 5.495 Terroristen erkannt werden. Daneben erkennt das System auch 110.000 Einwohner als Terroristen, die keine sind. Das heißt, insgesamt wird 115.495 Mal Alarm geschlagen. Aber der Alarm war nur in 4,7 % der Fälle korrekt. Das heißt, das System schlägt in mehr als 95 % der Fälle falschen Alarm.

Das heißt, dass zwar viele Personen und besonders viele Terroristen von so einem System erkannt würden. Dennoch sind auch hier die Mehrzahl unbescholtene Bürger und die Strafverfolger haben die Arbeit, korrekt zu filtern. Diese Arbeit sieht im Nachhinein sehr einfach aus. Aber üblicherweise fehlen bei der Suche vor einem Anschlag viele konkrete Hinweise. Letztlich müssen wir akzeptieren, dass es perfekte Sicherheit nicht herstellbar ist. Ich bin der Meinung, dass nicht mehr Überwachung, Datenaustausch und Repression die Lösung ist, sondern die Politik (»wir«) sollte sich Gedanken machen, wo die Gründe liegen und diese beseitigen.

#StateSponsoredActors-Meetup at 32C3

Starting in mid-december several Twitter users received a mail from the company telling them that they were target of state-sponsored hacking. I blogged in German about it. Today it is still unclear why Twitter sent out this mail.

Did you ask Twitter and received an answer? Do you have an explanation? Let’s meet at 32C3! Come at 20:00 to Hall 13. We’ll sit down and try to find some answers or develop strategies to find answers. ;-)

Hatten die Dokumente von Snowden einen Einfluß auf Jihadisten?

Hier, wie auch in Zeitungen, gilt die Regel, wenn der Titel eine Frage enthält, ist die Antwort nein. :-)

Die längere Antwort: Flashpoint Global Partners machen Eigenwerbung, dass sie das Dark Web beleuchten und Auskünfte zu Jihadisten bieten können. Im letzten Jahr haben sie sich angeschaut, ob sich die Verwendung von Verschlüsselungswerkzeugen bei Jihadisten seit den Veröffentlichungen von Snowden geändert hat (komplettes PDF). Dazu haben sie das Dark Web abgegrast und versucht, Hinweise zu finden.

Die Firma schaute sich die Veröffentlichungszyklen von entsprechender Software (Mujahedeen Secrets, Asrar al-Dardashah etc.) an. Nach Snowden gab es nicht mehr oder häufigere Veröffentlichungen als vorher. Weiterhin suchten sie nach bestimmten Schlagworten (Verschlüsselung, Name der Software etc.). Hier gingen die Diskussionen nach Snowden entweder zurück oder blieben gleich.

Daher geht die Firma davon aus, dass Snowden keinen oder nur geringe Effekte auf den Einsatz von Verschlüsselung durch Jihadisten hat.

Plötzlich Krieg -- Ein Experiment

Im ZDF kam vor kurzem die Sendung “Plötzlich Krieg -- Ein Experiment”. Darin wurden zwei Teams aus Frauen und Männern in ein Lager gesteckt und mittels geschickter Manipulationen versucht, beide Teams gegeneinander aufzubringen. Die Sendung sollte zeigen, wie einfach es ist, einen Konflikt (Krieg) auszulösen und es war erschreckend einfach.

Anfangs wurden die Teilnehmer ausgewählt. Diese sollten keinen gewalttätigen oder sonstwie psychologisch auffälligen Hintergrund haben. Gesucht wurden also möglichst normale, unauffällige Personen. Denen wurde erzählt, dass es sich um ein Experiment aus der Konfliktforschung handelt und beide Teams wussten nichts von der Existenz des jeweils anderen Teams.

Christopher Lesko, ein Berater für Gruppendynamik und Konflikte, leitete das Experiment. Nach seinen Worten reichen drei Regeln, um Krieg herbeizuführen:

  1. Wir sind die Guten.
  2. Die sind die Bösen.
  3. Die nehmen uns etwas weg.

Danach wurde das Experiment aufgebaut und durchgeführt. Am ersten Tag gab es für beide Teams Zeit, sich als Gruppe zusammenzufinden. Danach gab es Spiele, bei denen eine Gruppe systematisch verlor und es wurde der Anschein erweckt, dass die andere Gruppe etwas weggenommen hat (leerer Frühstückstisch). Für die zweite Runde standen sich die Teams von Angesicht zu Anngesicht gegenüber. Hier war deutlich zu sehen, wie die Aggression gegen das andere Team immer stärker wurde. Beim letzten Spiel kam es dann sogar zu einer Rippenverletzung durch zu “Körperkontakt”.

Beide Teams waren so gegeneinander aufgebracht, dass eine Schlägerei in der Luft lag. Das, obwohl beide Teams wussten, dass es um nichts geht. Einzig die Erlebnisse der vorigen Tage hatten dafür gesorgt, gegenseitigen Hass aufzubauen.

Das Experiment endete jedoch nicht an dieser Stelle, sondern es ging nun in die “Friedensverhandlungen”. Lesko half beiden Teams zueinander zu finden und sich für die Verletzungen zu entschuldigen. So gingen am Ende beide Gruppen friedlich auseinander.

Ich fand die Sendung sehr interessant und augenöffnend. Ähnliche Experimente und Erkenntnisse gibt es in der Psychologie schon seit längerem. Aber hier wurde sehr plastisch dargestellt, wie einfach es ist, Konflikte heraufzubeschwören und wie leicht Menschen bereit sind, sich in den Krieg zu stürzen. Insbesondere unter den heutigen Diskussionen um PEGIDA und so genannte besorgte Bürger ist die Sendung aufschlussreich. Denn hier werden auch die bösen Ausländer (“klauende, vergewaltigende, kriminelle Ausländer”) so dargestellt, als ob sie uns etwas wegnehmen wollen (unsere Kutlur, Sprache, Frauen etc.). Egal, ob das stimmt oder nicht, die Menschen gehen auf die Straße und schrecken vor nahezu nichts zurück. Die Decke der Zivilisation ist eben dünner als wir denken …

Asylsuchende in der EU

Heute morgen las ich einen Tweet von Julia Schramm. Sie bezog sich auf eine Aussage von Angela Merkel, die wohl eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge in Europa forderte.

In der angehangenen Grafik fällt auf, dass da nur wenige Länder verzeichnet sind. Die EU hat immerhin 28 Mitgliedsländer. Bei der Suche nach einer umfassenden Übersicht stiess ich auf einen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung. Dort waren die absoluten Zahlen verzeichnet.

Ich habe mir daraufhin eine Tabelle mit den Einwohnerzahlen aller Länder gebastelt und die Quote pro 1000 Einwohner ausgerechnet. Es zeigt sich, dass der EU-weite Durchschnitt ca. 1,2 Asylsuchende pro 1000 Einwohner sind. Einige Länder, darunter auch Deutschland, nehmen mehr Menschen auf.

Wenn man nun den Durchschnitt hernimmt und berechnet, wie die Zahlen nach einer EU-weiten Angleichung sind, müsste Deutschland in der Tat weniger Menschen aufnehmen. Deutschland mit ca. 101.000 weniger sogar auf dem ersten Platz, dicht gefolgt von Schweden, die auf etwa 69.000 Asylsuchende verzichten müssen. Länder wie Polen (+40.000), das Vereinigte Königreich (+46.000) und Spanien (+51.000) müssten hingegen deutlich mehr Menschen aufnehmen.

Die Kanzlerin hat also durchaus Recht, dass eine EU-weite Angleichung Deutschland weniger Asylsuchende bringt. Ob das gut und sinnvoll ist, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

Update: Vielen Dank an Dirk Deimeke. Er wies mich auf einen Rechen-/Denkfehler in der ersten Version des Textes hin. Dort hatte ich mit gewichteten Durchschnitten gerechnet.

Continue reading "Asylsuchende in der EU"

Bericht der UN zu Verschlüsselung und Anonymität

Der UN-Berichterstatter für die freie Meinungsäußerung (freedom of expression), David Kaye, hat heute den Report on encryption, anonymity, and the human rights framework veröffentlicht. In dem Bericht geht es um zwei Fragen:

  1. Wird verschlüsselte und/oder anonymisierte Onlinekommunikation durch das Recht auf Privatsphäre und die Redefreiheit geschützt?
  2. Wie können Regierungen diese Rechte gegebenenfalls einschränken.

Das Dokument ist im DOC-Format auf der Seite zu finden. Ich habe auch eine Variante als PDF auf meiner Seite abgelegt.

Das Dokument beginnt mit ein paar einleitenden Worten und diskutiert dann Sicherheit sowie Privatsphäre in digitalen Medien. Die Kapitel 3 (Encryption, anonymity and the rights to freedom of opinion and expression and privacy) und 4 (Evaluating restrictions on encryption and anonymity) beschäftigen sich dann detaillierter mit den obigen Fragen. Das fünfte Kapitel hat dann Schlussfolgerungen und Empfehlungen an Staaten sowie verschiedene Organisationen.

Vom ersten Überfliegen bietet der Report einige wichtige Aussagen. So wird anerkannt, dass Verschlüsselung wie auch Anonymisierung wichtige Werkzeuge sind, um das Recht auf freie Meinungsäußerung ausüben zu können.  Staaten wird nahegelegt, entsprechende Gesetze auf den Weg zu bringen und die Diskussion nicht immer nur im Hinblick auf möglichen Missbrauch (Stichwort: Terrorgefahr) zu führen. So steht in Absatz 59:

States should promote strong encryption and anonymity. National laws should recognize that individuals are free to protect the privacy of their digital communications by using encryption technology and tools that allow anonymity online. Legislation and regulations protecting human rights defenders and journalists should also include provisions enabling access and providing support to use the technologies to secure their communications.

Aber auch Firmen und private Unternehmen sollen Verschlüsselung und sichere Kommunikation fördern!

Nach dem ersten Überfliegen habe ich den Eindruck, dass das ein sehr interessantes Dokument ist. Wir sollten es inbesondere diversen Politikern als Bettlektüre mitgeben.

Diskussionen zum Thüringer Transparenzgesetz

Die rot-rot-grüne Koalition hat sich für die laufende Legislaturperiode einige Projekte vorgenommen. Eines davon, was auch mich interessiert, ist das Transparenzgesetz. Sowohl bei InSüdthüringe.de wie auch bei der TA war zu lesen, dass es bereits im Jahr 2015 erste Vorstöße geben soll.

Diese Meldungen nahmen einige Privatbürger zum Anlass, um ebenfalls mit einer Diskussion zu beginnen. So gibt es das Twitter-Konto @ThuerTG, welches Beiträge in die Diskussion einbringt. Weiterhin liegt auf einem Pad eine Sammlung von Ideen, Gedanken etc.

Um die Diskussion etwas zu sammeln, habe ich eine Mailingliste angelegt. Dort können sich alle interessierten Personen einschreiben. Schickt einfach eine leere E-Mail an die Adresse transparenzgesetz-subscribe@kubieziel.de. Ihr bekommt dann eine E-Mail zur Bestätigung. Danach könnt ihr Beiträge verfassen und bekommt Mails von anderen. Die E-Mail-Adresse, um Mails an alle eingeschriebenen Personen zu senden, ist transparenzgesetz@kubieziel.de. Falls ihr Fragen habt, schreibt mir eine Nachricht. Ich versuche gern zu helfen.

Auf der organisatorischen Schiene ist natürlich noch einiges zu tun. Aus meiner Sicht sollte das Projekt unbedingt eine aussagekräftige Webseite bekommen. Diese ist vermutlich der erste Anlaufpunkt für jegliche Informationen zum Transparenzgesetz. Ich stelle mir vor, dass es dann dort eine Discourse-Instanz für alle Diskussionen gibt. Mal sehen, wie die Entwicklung weiter geht.

tweetbackcheck