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Tester für die Zensurumgehung Lantern gesucht

Wer Zensurmaßnahmen erfolgreich umschiffen will, benötigt zahlreiche, verschiedene Werkzeuge. In jedem Land mit ausgeprägter Internetzensur gibt es auch ein Wettrennen zwischen den Zensoren und Zensierten. Ein vergleichsweise neues Werkzeug ist Lantern.

Lantern ist eine Software, die auf Java basiert und sich noch in der Testphase befindet. Die Software unterscheidet anfangs, ob Zensierten der Zugang erlaubt werden soll oder ob man selbst Informationen abrufen will. Im ersten Fall leitet die Software den Netzverkehr Fremder über die eigene Internetverbindung. Damit können diese das Internet frei (also genauso frei wie ihr) nutzen. Im zweiten Fall nutzt ihr die Verbindung anderer.

Zur Verbdinung der Benutzer nutzt Lantern Google. Die Software baut ein Vertrauensnetz der Nutzer auf. Dazu muss sich jeder bei Google einloggen und den anderen als Freund markieren. Den Rest macht Lantern im Hintergrund.

Das Projekt hat vor kurzem die fünfte Betavariante herausgegeben und möchte nun ihren Dienst mit mehr Nutzern testen. Falls ihr also freie Kapazitäten habt, registriert euch für die Betaversion auf der Webseite und testet dann die Software. Eventuell helft ihr Leuten da draußen, wieder ein neues Werkzeug zu benutzen und Informationen frei abzurufen.

Tor -- Vortrag und Hackday

In München treffen sich in dieser Woche Vertreter des Tor-Projektes zum Summer-Dev-Meeting. Neben den internen Besprechungen gibt es zwei interessante Veranstaltungen für die Öffentlichkeit.

  1. Vortrag »Tor and the Censorship Arms Race: Lessons Learned«
    Roger Dingledine und Jacob Appelbaum berichten über ihre Erfahrungen in der Umgehung von Zensur. Tor ist in dieser Beziehung ein sehr wichtiges und sicheres Werkzeug. Der Vortrag findet am 24. Juli 2013 ab 18 Uhr im Hörsaal 1 des LRZ statt (siehe Bild unten).
  2. Tor Hack Day
    Am Freitag findet dann ein öffentlicher Hackday statt. Ihr könnt dort verschiedene Entwickler treffen und mit denen über Tor sprechen bzw. programmieren.

 

Offene Proxys zur Zensurumgehung

Im letzten Blogposting stellte ich die Matrix verschiedener Zensurumgehungssoftware vor. Ich will hier und in den folgenden auf einzelne Software oder Protokolle eingehen. Vielleicht hilft euch das, Vor- und Nachteile der Lösungen zu erkennen.

Die erste Variante in der Reihe sind offene Proxys. Eigentlich wurden die nicht zur Zensurumgehung erfunden, das ist vielmehr ein Nebenaspekt. Proxys dienten zuerst als eine Art Zwischenspeicher in großen Netzen (Firmen). Denn das Internet war langsam und teuer. Also suchten die Betreiber nach Möglichkeiten, es schneller zu machen. Ein Proxy war eine solche Möglichkeit und spielt eine Vermittlerrolle. Die Benutzer eines Proxys fragen Webseiten nicht mehr direkt an, sondern nutzen den indirekten Weg über den Vermittler. Dieser ruft seinerseits die Webseite ab und liefert das Ergebnis weiter. Gleichzeitig speichert der Proxy die Webseite lokal. Kommt nun ein weiterer Benutzer, liefert der Proxy die Webseite aus seinem Speicher aus. Das ist zum einen schneller und zum anderen preiswerter, da kein externer Datenverbrauch entsteht.

Schematische Darstellung eines offenen Proxys (Quelle: Wikipedia)

Offene Proxys sind Proxys, die von allen benutzt werden können. Doch woher kommen diese offenen Proxys? Ein Teil stammt schlicht von Fehlkonfigurationen. Das heißt, jemand installiert eine Proxysoftware und gibt die dann versehentlich für die Welt frei. Andererseits kann das jemand in bösartiger Absicht tun. In der Hoffnung, dass Fremde die Software nutzen, sich bei Seiten einloggen und dort sensible Daten hinterlassen, wird der Proxy aktiviert. Der Angreifer lauscht mit und bekommt so Zugriff auf die Geheimnisse seiner Nutzer. Dafür würde die konsequente Nutzung verschlüsselter Seiten (HTTPS) schützen. Eine weitere Gruppe von Administratoren sorgt sich um die Sicherheit seiner Nutzer und versucht mit speziellen offenen Webproxys zu helfen. Zu letzterem gehören Seiten wie Morphium.info oder Anonymouse.org. Weiterhin gibt es Listen, wie beispielsweise Xroxy, die beliebige offene Proxys sammeln. Das Firefox-Plugin Stealthy lädt die Listen automatisch herunter und macht die im Browser nutzbar.

Ein Nutzer in einem Land mit Internetzensur kann versuchen, einen offenen Proxy zu verwenden. Als einfache Varianten bieten sich Morphium.info, Anonymouse oder Stealthy an. Oder aber er stellt im Browser einen offenen Proxy ein. Im letztgenannten Fall geht der Aufruf nicht direkt zur gesperrten Webseite, sondern zu dem Proxy. Dieser ruft die Seite auf und liefert das Ergebnis zurück.

Derartige Proxys sind ein sehr einfaches Mittel, Zensur zu umgehen. Leider haben das auch die Zensoren erkannt. Diese rufen häufig einfach die Listen der Proxys ab und sperren die Adressen. Andererseits wies ich oben schon auf den möglichen Missbrauch seitens des Betreibers des Proxys hin. Gegebenenfalls liest der Betreiber mit und nutzt diese Daten später zu seinem Vorteil. Im schlimmsten Fall könnte der Zensor den Betreiber des Proxys »überzeugen«, die Daten spezieller Nutzer mitzuschneiden und ihm diese auszuhändigen. Das heißt, auf der einen Seite sind Proxy zwar einfach. Aber die damit verbundenen Risiken sind nicht von der Hand zu weisen.

Die Lage verbessert sich für den zensierten Nutzer etwas, wenn er gute Freunde hat, die für ihn einen Proxy betreiben. Denn diese sind hoffentlich vertrauenswürdig.

Insgesamt sind die offenen Proxys also ein erster Weg zur Zensurumgehung. Mit etwas Glück funktionieren die im Land. Jedoch sollten die Nutzer sich immer über eventuellen Missbrauch im Klaren sein und entsprechende Gegenmaßnahmen treffen.

Weitere Informationen hat die englischsprachige Wikipediaseite zu Open Proxys oder die deutschsprachige zu Proxys.

The EFF Tor Challenge

Im Kampf gegen weltweite Zensur sind Tor-Bridges ein wichtiges Mittel. Leider gibt es immer noch zu wenig davon. Die EFF Tor Challenge soll dies ändern. Alle, die teilnehmen wollen, können eine Bridge oder einen anderen Server aufsetzen und diesen registrieren. Jeder einzelne Nutzer wird dann auf der EFF-Seite „geehrt“. Macht also zahlreich mit!

Thailand sieht es ein, Internetsperren sind nutzlos

Unsere Politiker fordern ja in regelmäßigen Abständen Sperren oder Stoppschilder für das Internet. Die Aktivisten des AK Zensur und andere sagen in regelmäßigen Abständen, dass dies nicht funktioniert. In diesen Reigen reihte sich nun auch der thailändische Abteilungsleiter für Computerkriminalität, Thongchai Sangsiri, ein. Auf dem Asia-Pacific Telecommunity Cybersecurity Forum sagte er:

Blacklisting doesn’t work.

Angesichts der Größe der Liste entstehen zahlreiche Probleme für die Internetprovider. Nun würde man denken, wenn die Filter nutzlos sind, dann können sie in Thailand deaktiviert werden. Aber dem stellt sich Sangsiri entgegen. Denn seiner Meinung nach, denkt die Öffentlichkeit, dass die Regierung was tut und das ist gut. Also sind wir hier wieder bei derselben Einstellung wie in Deutschland.

Genaueres findet ihr bei dem Bericht Our blacklist has failed us: Thai minister von ZDNet.

via Netzpolitik.

Türkei entsperrt Youtube

Heise meldete, dass die Türkei Youtube entsperrt hat. In den vergangenen Jahren wurde das Videoportal im Land gesperrt, da auf Youtube Videos über Atatürk zu sehen waren. Diese wurden als beleidigend empfunden. Googles Transparenzreport zeigt eine Spitze im Traffic an. Das heißt in der Tat kamen in den letzten Tagen etwa dreimal soviele Nutzer aus der Türkei als sonst.

Anstieg der Nutzerzahlen aus der Türkei

Youtube hat die Atatürk-Videos wieder ins Netz gestellt. Mal sehen, wie lange es dauert, bis die Seiten innerhalb der Türkei wieder gesperrt sind. Sollte das passieren, kann man ja immer noch den Premier fragen. Vielleicht gibt er wieder Hinweise, wie die Zensur zu umgehen ist. :-)

Update: Das ging ja schnell: YouTube faces new ban in Turkey as court rules in favor of former party leader

Transparenzreport von Google

Im Kampf gegen Zensur ist das Wissen, was überhaupt gesperrt ist, wichtig. Ein Ansatz dazu liefert Herdict. Dort kann jeder Nutzer melden, welche Webseite in seinem Land bzw. von seinem Internetanschluss nicht erreichbar ist. Mit der Zeit entstand eine schöne Dokumentation, welche Seite gesperrt sind. Ich nutze das gern für Vorträge. Denn so findet man schnell eine gesperrte Seite und kann das live vorführen. :-)

Auf der Konferenz Internet at Liberty 2010 stellte Google seinen Transparenzreport vor. Dort kann jeder ein Land und einen Google-Dienst wählen. Danach wird das Zugriffsmuster angezeigt. Am Beispiel von Iran unten sieht man recht schön, wann das Land die Zugriffe auf Youtube gesperrt hat und wie sich die Zugriffe danach entwickelten.

Der Dienst sieht recht nützlich aus und ist eine schöne Ergänzung zu Herdict und Co.

Zugriffsmuster der iranischen Nutzer auf Youtube

CR155 -- Netzsperren reloaded

Heute ist der letzte Mittwoch im Monat und die Eingeweihten wissen, was das heißt. Chaosradio! Das Thema der heutigen Sendung ist Netzsperren Reloaded. Frank Rieger, Constanze Kurz und scusi berichten über die neueren Entwicklungen. Reinhören lohnt sich garantiert.

Aus der Ankündigung:

Die Pläne der Regierung zur Schaffung von Internetsperren beschäftigen uns weiter. Trotzdem die nach dem Zugangserschwerungsgesetz geplanten wirkungslosen Pseudosperren nun vorerst nicht angewandt werden und auch Zensursula keine Stop-Schilder mehr in die Kameras hält, ist das Problem der vermurksten Internetregulierung dennoch nicht vom Kabinettstisch.

Derweil rückt die neue Front der Sperrapologeten in Gestalt von Censilia Malmström aus Brüssel an. Und nebenbei verhandelt die EU-Kommission in geheimen Treffen den internationalen Anti-Piraterie-Vertrag ACTA, der ebenfalls Netzsanktionen beinhaltet, da Diensteanbieter für die Inhalte auf ihren Plattformen verantwortlich gemacht und Internetsperren für Nutzer vorgesehen werden sollen.

Zensursula 2.0

Kaum sind die deutschen Versuche zum ZensurgZugangserschwerungsgesetz halbwegs gestoppt, geht es in der EU weiter. Vor kurzem enthüllte der AK Zensur ein geheimes PDF-Dokument des EU-Rates (Deutsche Version bei Netzpolitik). Darin wird die Fortführung eines Projekts gefordert, welches dem deutschen Zugangserschwerungsgesetz recht ähnlich ist. In der EU trägt es den Namen CIRCAMP. Hier tritt nun Cecilia Malmström auf den Plan. Sie ist EU-Kommissarin für Innenpolitik und will in den nächsten Wochen kräftig Werbung für Internetsperren machen. Ein erstes Interview erschien in Schwedisch beim Svenska Dagbladet.

Aber auch die Kritiker werden mit Sicherheit nicht leise sein. Bereits jetzt gibt es das unten stehende Mashup von Telecomix. Begriffe wie Censilia, Zensursula 2.0 und ähnliche sind ebenfalls schon entstanden. Ich denke, die Woche wird recht spannend werden.

"Zensursula 2.0" vollständig lesen

Wieder Bücher zu gewinnen

Erst kürzliche verloste pro-linux.de fünf der Bücher “Anonym im Netz”. Gerade eben erfuhr ich, dass das Linux-Magazin nachzieht. Anlässlich des Welttags gegen Internetzensur werden fünf Exemplare angeboten. Jeder, der die Frage richtig beantwortet, ist dabei. Start der Aktion ist der 12. März ab sechs Uhr in der Frühe.

Update: Datum korrigiert

Von ACTA bis Zensur

Wer heute abend noch nichts vor hat, kann sich zu einer kleinen Gruppe von Leuten in den Raum 315 am Carl-Zeiss-Platz in Jena gesellen. Unter dem Titel Von ACTA bis Zensur — Der Einfluss der Musikindustrie auf unsere Rechtsprechung werde ich ab 18 Uhr etwas zum Thema erzählen.

Aus der Ankündigung:

Vor 30 Jahren hieß es “Home taping is killing music”. Heute ist Piracy der Killer. Neben knackigen Parolen bietet die Musikindustrie heute handfeste Lobbyarbeit und greift in die Gesetzgebung ein. Der Vortrag beleuchtet das Verhalten und die Strategien der beteiligten Akteure an einigen Beispielen.

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