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Erste Erfahrungen im Wissensmanagement mit Obsidian und Logseq

Graph meines kleinen ersten Projekts
Graph meines kleinen ersten Projekts

Im Podcast TILpod war Wissensmanagement mit Obsidian und Logseq kürzlich das zentrale Thema. Dirk Deimeke und Sujeevan Vijayakumaran berichteten über deren Erfahrungen mit den Tools Logseq und Obsidian. Im Rahmen meines Jobs betreue ich derzeit eine ERP-Software und dort gibt es viele Knöpfe, Einstellungen, Möglichkeiten etc. Daher wollte ich beide Werkzeuge mal testen und prüfen, ob die sich irgendwie in meine Arbeit integrieren lassen. Der Blogbeitrag ist das Ergebnis meiner ersten Schritte. Ich will hier mal die frischen Erkenntnisse niederschreiben.

Zettelkasten

Die Idee beider Software lehnt sich an das Zettelkastenprinzip von Niklas Luhmann an. Das bedeutet, man schreibt seine Ideen, Gedanken oder anderes auf einen Zettel. Diese Zettel sind, ähnlich wie in einem Wiki oder auf einer Webseite, miteinander verlinkt. Dadurch entsteht ein Wissensnetz und durch eine Graphansicht lassen sich neue Erkenntnisse und Einsichten gewinnen. Die Beschreibung ist sehr verkürzt. Wenn ihr euch mehr dafür interessiert, schaut euch mal das Video “Zettelkasten deutsch - Smarte Notizen schreiben” von Joshua Meyer an. Ich fand das eine gute Einführung in das Thema.

Obsidian und Logseq

Obsidian, Logseq wie auch andere Software setzen die Zettelkästen um. Es wird ein “Zettel” in Markdown geschrieben. Dadurch lassen sich die Notizen formatieren und der Text bleibt lesbar. Das heißt, die Notizen bleiben unter Umständen für die Ewigkeit erhalten. Mittels der Verlinkung in Markdown entsteht auch untereinander eine Verlinkung und ein Graph wird aufgebaut.

Obsidian ist eine proprietäre Software und wird über Github zum Download angeboten. Diese kann dann kostenlos oder derzeit einmalig für 25 bzw. 50 US-Dollar genutzt werden. Bei der kostenlosen Variante bleiben die Daten lokal auf der Festplatte liegen. Für 8 US-Dollar pro Monat lässt sich eine Synchronisation dazu buchen. Allerdings geht das durchaus auch über NextCloud, Dropbox oder ähnliche Dienste. Mir ist derzeit unklar, warum ich die Software kaufen sollte. Die Features, die beworben werden (Zugang zu “Insider Builds”, schöne Badges etc.), erscheinen mir wenig reizvoll für den Kauf.

Logseq ist Freie Software unter der AGPL-3.0-Lizenz. Sie wird ebenso über Github zum Download angeboten. Die Entwicklung der Software finanziert sich u.a. über Spenden. Wie auch bei Obsidian lassen sich die Dateien mit Cloud-Diensten synchronisieren. Zusätzlich ist auch ein Commit via git im Standardumfang enthalten.

Wann immer es geht, versuche ich, Freie Software einzusetzen. Daher würde ich gern Logseq einsetzen, sofern ich den Ansatz für das Wissensmanagement überhaupt weiter verfolge.

Mein Einstieg

Zu Anfang habe ich mir die Videoanleitungen “Zettelkasten in Obsidian” und “How to get started in Logseq” sowie ein paar andere angeschaut.

Wenn man sich die beiden Kurse anschaut, stellt man schon interessante Unterschiede fest. Der Kurs zu Obsidian nimmt die Menschen in den Fokus, die die Software erstmalig einsetzen wollen. Es gibt es Erklärung zu dem Prinzip des Zettelkastens und dann wird mit einem konsistenten Beispiel über den Kurs hinweg gearbeitet. Nach dem Video hatte ich einen guten Eindruck, wie die Software funktioniert und wie ich die nutzen kann. Der Kurs zu Logseq erzählt auf einem sehr hohen Level Konzepte und Ideen. Ich hatte hier zunächst das Gefühl, dass dies für mich wenig hilfreich ist. Beim TILpod ist noch “Logseq beginner's course” verlinkt. Damit gibt es einen besseren Einstieg in das Thema. Den Kurs empfand ich wie ein Handbuch, was vorerzählt wird.

Nachdem ich das Gefühl hatte, in etwa die Software zu verstehen, habe ich mit einem künstlichen Beispiel in Obsidian erste Schritte unternommen und mit einem realen Beispiel Logseq bespielt. Unten habe ich dann das Beispiel aus Logseq auch in Obsidian genutzt.

Mein angedachter Arbeitsablauf

Meine erste Vorstellung des Arbeitsablaufs war, dass ich zunächst ein paar grundlegende Informationen in der Software hinterlege und später diese dann um aktuelles Wissen ergänze. So gibt es beispielsweise immer mal wieder das Problem, dass beim Login in der ERP-Software die Meldung kommt, dass der Nutzer schon angemeldet sei. Hier würde ich dann in Logseq oder Obsidian eine entsprechende Seite anlegen und die Lösung beschreiben. Dies würde ich dann entsprechend verlinken und hoffentlich später wieder finden.

Soweit ich das einschätzen kann, würde Obsidian diesen Ansatz recht gut unterstützen. Jedenfalls kann ich die Ideen mit der Standardinstallation einfach so umsetzen.

Logseq arbeitet standardmäßig mit einem Journal. Das heißt, zunächst wird dort eine Seite mit dem aktuellen Datum geöffnet. Dort lassen sich tägliche Notizen machen und dann verlinken. Dieser Ansatz fühlt sich anders an, als bei Obsidian. Allerdings lässt sich hier mein obiger, geplanter Arbeitsablauf durchführen.

Vom Start weg scheint Obsidian hier besser benutzbar zu sein und das zu unterstützen, was ich machen will. Bei Logseq fiel mir das erst auf den zweiten Blick auf.

Unabhängig von meinem angedachten Arbeitsablauf erscheint mir der Ansatz von Logseq recht gut zu sein. Hier kann man seinen kompletten Tag aufschreiben und verlinken. Dadurch bildet sich eine viel größere Wissensbasis als in meinen auf einen Zweck beschränkten Beispiel.

Erste Schritte mit Obsidian

Startansicht von Obsidian
Startansicht von Obsidian

Beim ersten Öffnen von Obsidian fragt die Software nach einem so genannten Vault. Das ist so eine Art Projektansicht. Nachdem entweder eine existierende geöffnet oder eine neue angelegt wurde, kann es losgehen. Datei um Datei entsteht dann ein Wissensspeicher.

Wenn das linke Vorschaufenster ausgeklappt ist, sind die Dateien sichtbar. Die Ansicht finde ich im Moment recht nützlich, weil sie mir einfach einen Überblick über existierende Dateien verschafft. Vermutlich wird das aber im Laufe der Zeit eine immer kleinere Rolle spielen.

In den Videoanleitungen zu Obsidian gab es noch einen Hinweis zu Aliasen. Dieses Feature fand ich recht nützlich. Denn im Rahmen meines Anwendungsfalles gibt es einen Baustein namens “Auftrag”. Wenn ich im Text hierauf verweise, kann es sein, dass ich manchmal Aufträge, Aufträgen etc. schreiben muss. Mittels Aliases kann das alles auf eine Seite umgebogen werden.

Ansicht eines Eintrages mit Graph
Ansicht eines Eintrages mit Graph

Erste Schritte mit Logseq

Initiale Ansicht von Logseq
Initiale Ansicht von Logseq

Beim ersten Öffnen von Logseq erscheint eine Art Info-Bildschirm. Dieser informiert über die ersten Schritte bei der Bedienung der Software. Allerdings fehlte mir die Information, wie ich über den Start hinaus komme. Innerhalb des Tutorials kann man arbeiten, neue Seiten anlegen etc. Aber wie arbeitet man nun produktiv? Erst später fiel mir auf, dass es rechts oben den Eintrag “Öffnen” gibt. Darüber kann man ein Verzeichnis angeben. Die Daten werden dann in diesem Verzeichnis abgelegt.

Interessanterweise fand ich keine Möglichkeit, wieder zu dem Startbildschirm zurück zu wechseln. Man kann neue Seiten anlegen und zwischen diesen wechseln. Aber der Startbildschirm scheint verschwunden zu sein.

Der Arbeitsablauf bei Logseq basiert nun auf dem Journal. Es wird eine Datei mit dem aktuellen Datum angelegt. Dort lassen sich dann Informationen, TODO-Einträge und vieles mehr ablegen. Über Verlinkungen werden dann auch einzelne Seiten angelegt. Es fühlt sich für mich so an, als ob das Journal der Kern der Software wäre.

Mir fehlt eine Ansicht der Dateien. Es gibt zwar Neueste und Favoriten. Aber ich würde mir für den Anfang eine Überischt aller Dateien wünschen. Diese lässt nur über den Menüeintrag “Alle Seiten” öffnen. In dem Fall öffnet sich dann ein neues Fenster.

Neben den obigen Punkten muss ich mich vermutlich noch in die Software einfinden. Rein optisch stören mich die Punkte am linken Rand. Das ist vermutlich eine Markierung für den Block. Aber gerade bei Überschriften sieht das merkwürdig aus.

Detailansicht eines Eintrags in Logseq
Detailansicht eines Eintrags in Logseq

Vorläufiges Fazit

Für meinen Anwendungsfall (Wissen bei einer spezifischen Software dokumentieren) scheint mir Obsidian die passendere Software zu sein. Die unterstützt das, was ich will, bestmöglich. Das geht natürlich auch mit Logseq. Aber hier habe ich den Eindruck, dass ich da immer mal einen Klick oder einen Befehl zusätzlich verwenden muss und die Software da mehr im Weg steht.

Ganz allgemein finde ich jedoch den Ansatz von Logseq, alles in ein Log zu schreiben und Dateien zu pflegen, sehr gut. Dadurch erhält man einen guten Überblick über die täglichen Aufgaben, TODOs und anderes. Ganz nebenbei wird eine Wissensdatenbank aufgebaut. Logseq bietet auch die Möglichkeit, die Dateien in ein git zu committen. Das will ich mal ausprobieren.

Wenn beide Anwendungen ähnliche Voraussetzungen hätten, würde ich vermutlich Obsidian nutzen. Die Software macht mir den Eindruck, als ob sie meinen Arbeitsfluss deutlich besser unterstützen würde. Allerdings bevorzuge ich eben Freie Software, so dass ich die nächsten Schritte erstmal mit Logseq machen werde. Eventuell werde ich später über die weitere Erfahrungen berichten.

Nutzt ihr auch Obsidian, Logseq, Roam oder etwas ähnliches? Wie sind eure Erfahrungen und wie setzt ihr die Software ein?

Liste von Android-Apps

Bei Jörg sah ich kürzlich eine Liste von Android-Apps, die er verwendet. Solch eine Liste kann eine gute Idee sein, um neue interessante Apps zu finden. Daher habe ich beschlossen, auch eine solche Liste aufzustellen.

Systemfunktionen

Büro

Kommunikation

Multimedia

  • Antennapod: Verwaltung von Podcasts
  • Newpipe: Zugriff auf Youtube, Soundcloud, media.ccc.de und anderes
  • SkyTube: Zugriff auf Youtube
  • VLC: Video- und Musikabspielprogramm
  • Zapp: Streams der öffentlich-rechtlichen Sender anschauen

Sonstiges

Von Saudi-Arabien gehackt

Im Dezember 2015 erhielt ich eine Nachricht von Twitter. Der Dienst informierte mich, dass ich Opfer staatlichen Hackings wurde. Die Nachricht selbst war recht allgemein gehalten:

Rein vorsorglich möchten wir Sie darüber informieren, dass Ihr Account zu einer kleinen Gruppe von Accounts gehört, die Ziel eines staatlich motivierten Hackerangriffs geworden sein könnte. Das bedeutet, dass die Hacker möglicherweise mit einer Regierung in Verbindung stehen. Wir vermuten, dass Daten und Informationen wie zum Beispiel Email-Adressen, IP-Adressen und Telefonnummern ausspioniert werden sollten.

Durch meinen Blogeintrag und die Suche auf Twitter fand ich damals weitere Betroffene. Wir waren alle recht ahnungslos, wer uns aus welchem Grund hacken sollte. Netzpolitik.org warf damals einen Blick auf die Twitterkonten und fand wenig Gemeinsamkeiten. Am ehesten war ein Großteil der Betroffenen als Aktivisten tätig. Die Zusammensetzung an Sprachen, Ländern etc. war jedoch sehr divers.

Mittels eines offenen Briefes versuchten wir Antworten von Twitter zu erhalten. Doch weder gegenüber uns noch gegenüber Journalisten äußerte sich Twitter. Damit könnte die Geschichte zu Ende sein.

Mitte Oktober 2018 gab es nun neue Bewegung. Die New York Times veröffentlichte den Artikel »Saudis’ Image Makers: A Troll Army and a Twitter Insider«. Der Aufhänger des Artikels ist der Mord an Jamal Kashoggi. Dieser wurde vermutlich in der saudi-arabischen Botschaft in Istanbul auf brutale Weise getötet. Der Artikel berichtet, dass sich eine Troll-Armee mit dem Ziel an ihm festgebissen, ihn zum Schweigen zu bringen. Er selbst plante Gegenmaßnahmen:

Before his death, Mr. Khashoggi was launching projects to combat online abuse and to try to reveal that Crown Prince Mohammed was mismanaging the country. In September, Mr. Khashoggi wired $5,000 to Omar Abdulaziz, a Saudi dissident living in Canada, who was creating a volunteer army to combat the government trolls on Twitter. The volunteers called themselves the “Electronic Bees.”

Diese Troll-Aktivitäten wurden im Artikel auf das saudische Königshaus zurückgeführt. Daneben gab es auch Bestrebungen, Twitter direkt zu infiltrieren. Eine Person namens Ali Alzabarah wurde 2013 bei Twitter eingestellt und stieg dort Stück für Stück auf. Irgendwann hatte er direkten Zugang zu personenbezogenen Daten und saudische Geheimdienstler kontaktierten ihn. Er sollte diese Daten an die Saudis weitergeben. Twitter begann eine Untersuchung und entließ die Person. Im Rahmen der Untersuchung fand Twitter keine Hinweise, dass Daten an Saudi-Arabien weitergegeben wurden.

Damit sind zumindest einige der Fragen beantwortet. Jedoch frage ich mich immer noch, warum Saudi-Arabien gerade Interesse an meinen Daten haben könnte.

Einbindung von Flickr doch konform zur DS-GVO

GDPR
GDPR & ePrivacy Regulations von Dennis van der Hejden. Original bei Flickr

Vor kurzem stellte ich mir hier im Blog die Frage, ob man noch Bilder des Dienstes Flickr einbinden kann. Nach meiner Prüfung kam ich zu dem Schluss, dass dies nicht mehr der Fall ist und entfernte die Bilder aus meinem Blog.

Heute hielt ich einen Workshop, der u.a. auch die Datenschutz-Grundverordnung zum Thema hatte. Dort fragte mich ein Teilnehmer, ob denn das Land Thüringen eine korrekte Datenschutzerklärung (DSE) hat. Der folgende Abschnitt brachte mich dann doch ins Staunen:

Flickr

Innerhalb unseres Onlineangebotes können Funktionen und Inhalte des Dienstes Flickr eingebunden sein. Flickr ist ein Foto- und Bilder-Dienst des amerikanischen Unternehmens SmugMug Inc. (67 E. Evelyn Ave, Suite 200
Mountain View, California, U.S.)Wenn Sie selber Flickr aktiv nutzen und ein Bild oder Video veröffentlichen, können wir ihn ebenfalls sehen, wenn Sie ihn jedermann zugänglich gemacht haben oder wenn wir Ihnen über Flickr folgen. Ebenfalls können wir Ihre Angaben auf Flickr sehen, wenn thueringen.de Ihrem Profil folgt. Einzelheiten zur Verarbeitung der Daten bei Flickr und den Sichtbarkeitseinstellungen entnehmen Sie bitte den Datenschutzbedingungen von Flickr bzw. Oath (ehemals Yahoo): policies.oath.com/ie/de/oath/privacy/index.html  

Das heißt, das Land Thüringen ist der Meinung, rechtmäßig Flickr-Bilder einbinden zu können. Wie kann das sein?

Weder Flickr noch Yahoo! noch eine der anderen Firmen steht bisher auf der Privacy-Shield-Liste. Und die Datenschutzbedingungen von Flickr gaben doch bisher auch nichts her. Aber: Unter anderen ist das Datenschutzcenter von Oath mit verlinkt. Dort steht gleich am Anfang:

Für Produkte oder Dienste von Oath, auf die ohne Anmeldung bei einem Account zugegriffen wird, gilt diese Datenschutzerklärung für diese Produkte und Dienste ab 25. Mai 2018.  

Flickr gehört mit zu Oath. Also gelten diese Bedingungen auch für Flickr. In der DSE steht drin, dass die Oath (EMEA) Limited in Dublin diese Dienste bereitstellt und damit wohl Verantwortlicher im Sinne der DS-GVO ist. Also werden die Daten von einem Unternehmen mit Sitz in der EU verarbeitet und die DS-GVO möchte ja den freien Verkehr personenbezogener Daten fördern (oder zumindest nicht einschränken).

Weiterhin erklärt Oath, dass sie die Standardvertragsklauseln der EU-Kommission verwenden bzw. nur Daten mit Unternehmen austauschen, die nach Privacy Shield zertifiziert sind.

Insgesamt scheint die Datenschutzerklärung den Anforderungen der Art. 13 und 14 DS-GVO zu entsprechen. Und auch inhaltlich ist es jetzt so, dass man wohl doch bedenkenlos Bilder von Flickr in seinem Blog einbinden kann.

Blog entflickt

In einem Beitrag vor ein paar Tagen kam ich zu der Ansicht, dass spätestens mit der Anwendung der Datenschutz-Grundverordnung am 25. Mai 2018 Flickr nicht mehr genutzt werden kann. Das bedeutete für mich, dass ich mein Blog auf Bilder prüfen muss, die über Flickt eingebunden werden. Soweit ich das sehe, ist das jetzt abgeschlossen. Es sollten keine Bilder mehr über Flickr und andere fremde Quellen kommen.

Weiterhin habe ich geprüft, ob ich bei YouTube-Videos die Domain youtube-nocookie.com verwende. Auch dies sollte jetzt der Fall sein. Damit kommen die Videos hier im Blog entweder von obiger YouTube-Seite oder von media.ccc.de.

Solltet ihr noch Sachen finden, die von woanders eingebunden werden, freue ich mich über einen Hinweis in den Kommentaren.

Kann man Flickr-Fotos noch einbinden?

Update: 11 Tage nach dem untenstehenden Blogpost hat sich die Lage doch grundlegend geändert. Ich habe in einem neuen Beitrag beschrieben, warum es mittlerweile doch rechtmäßig ist, Flickr-Bilder einzubinden. Daher kann der untenstehende Beitrag ignoriert werden.


Ich bin gerade dabei, mein Blog durchzuschauen, was ich an fremden Inhalten einbinde oder was nach den Bestimmungen der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) relevant wäre. Dabei fiel mir auf, dass ich an einigen Stellen den Fotodienst Flickr verwende. Das heißt, ich habe auf deren Seiten Bilder gespeichert und für Beiträge werden diese Bilder hier mit eingebunden.

Wie verhält sich dies nun nach der DS-GVO? Wenn jemand einen Blogbeitrag mit einem solchen Flickr-Bild besucht, dann sehe (oder im Sinne der DS-GVO erhebe) ich bzw. mein Server die IP-Adresse des Besuchers. Unter anderem zählt diese als personenbezogenes Datum. Durch den Abruf des Bildes werden diese personenbezogenen Daten in ein unsicheres Drittland übertragen. Denn Flickr gehört US-Firmen (Yahoo! bzw. SmugMug) und deren Server stehen in den USA. Nun sagt der Artikel 35 DS-GVO, dass die Daten trotzdem in solche unsicheren Staaten übertragen werden kann, wenn es ein angemessenes Schutzniveau gibt. Dies kann durch verschiedene Faktoren passieren. Im Falle der USA ist der so genannte Privacy Shield eine der Varianten. Die US-Unternehmen können sich zertifizieren lassen und in eine Liste eintragen. Steht ein Unternehmen auf der Liste, ist der erste Schritt getan. Da ein solches Unternehmen personenbezogene Daten in meinem Auftrag verarbeitet, wäre wohl noch ein Auftragsverarbeitungsvertrag abzuschließen und die Datenschutzerklärung entsprechend zu ergänzen.

Im Falle von Flickr suchte ich also nach einem Eintrag in der Liste beim Privacy Shield. Dort fand ich weder einen Eintrag zu Flickr noch zu Yahoo! oder SmugMug. Auch anderweitige Suchen brachten mich nicht weiter. Damit muss ich wohl davon ausgehen, dass Flickr eben nicht nach Privacy Shield zertifiziert ist. Jetzt könnte ich versuchen, einen Vertrag gemäß der Standardvertragsklauseln der EU mit Flickr abzuschließen. Ich halte es aber für fraglich, dass Flickr dies mit jedem seiner Kunden tun wird und dass dies auch bis zum 25. Mai 2018 unterschrieben ist.

Daher ist es wohl so, dass eben kein geeignetes Datenschutzniveau gewährleistet werden kann und damit auch keine Bilder von Flickr eingebunden werden können. Zumindest dann nicht, wenn man der DS-GVO folgen will. Das heißt für mich, dass ich dies jetzt ändern werde und die Bilder lokal ausliefere.

Natürlich bin ich kein Jurist. Das oben Geschriebene ist daher als Meinung eines informierten Laien zu verstehen. Falls ihr andere Argumente oder Meinungen habt, freue ich mich über Kommentare.

Gemeinsam Dokumente im Web erstellen

Ich treffe immer wieder Menschen, die gemeinsam an Dokumenten schreiben. Manchmal sind dies wissenschaftliche Veröffentlichungen, mal Pressemitteilungen, mal ganz andere Sachen. In vielen Fällen läuft es so, dass jemand einen Entwurf macht, den per E-Mail oder Messenger verteilt. Dann editieren andere Leute und schicken dies wieder weiter. Wenn ich solch ein Setup sehe, stelle ich den Leuten EtherPad vor und stoße auf helle Begeisterung.

Kürzlich fiel mir auf, dass es verschiedene EtherPad-ähnliche Software gibt und ich fragte nach, welche Software andere so kennen. Unten habe ich eine Liste von Software zusammengestellt, mit der man synchron im Web zusammenarbeiten kann. Sollte euch da etwas fehlen, hinterlasst bitte einen Kommentar.

  • EtherPad bzw. Etherpad Lite: ist der Klassiker auf dem Gebiet. In einem Browserfenster kann man gemeinsam Dokumente bearbeiten, den Text exportieren, chatten etc. Die Software kann selbst gehostet werden. Probieren und benutzen kann man u.a. auf https://pad.riseup.net/ (auch als Tor Onion Service) oder https://pad.systemli.org/. Auf Github gibt es eine Liste von Instanzen.
  • Google Docs: ist eine relativ bekannte Möglichkeit, Dokumente gemeinsam zu bearbeiten. Die Oberfläche lehnt sich an die entsprechenden Microsoft-Programme an. Dokumente können nur mit einem Google-Account angelegt werden. Je nach Freigabe kann man diese ohne Account lesen oder bearbeiten.
  • Ethercalc: ist eine kollaborative Tabellenkalkulation. Auf der Ethercalc-Seite kann man die Benutzung probieren.
  • Firepad: ist recht ähnlich zu EtherPad.  Die Liste an Beispielen macht den Eindruck, dass Firepad wesentlich mehr kann (Code editieren, Rich Text etc.). Ein Spielplatz zum Testen gibt es auf der Demoseite.
  • Hiro: bietet Editieren mit oder ohne Login. Im Gegensatz zu EtherPad scheint es keine Möglichkeit zu geben, Rich-Text-Strukturen in den Text einzubringen. Dagegen lassen sich sehr leicht neue Dokumente anlegen und in einer Instanz verwalten. Der Zugriff kann explizit per Mail oder Telefonnummer vergeben werden. Aber innerhalb der Anwendung lässt sich auch ein Link zum Verteilen erzeugen. Ein Testdokument kann man direkt auf der Webseite anlegen.
  • Sandstorm: ist eine Lösung mit der sich verschiedene Software betreiben lässt. Das Angebot reicht von Etherpad über Wikis bis hin zu Projektmanagementsoftware uvm. Wer einen Account auf einer Sandstorm-Instanz hat, kann nach Bedarf diese Software mit einem Klick installieren und nutzen. Eine Version zum Probieren ist verfügbar.

Die obigen Lösungen würde ich als allgemein nutzbare einschätzen. Daneben gibt es einige, die spezielle Wünsche befriedigen oder mit denen sich bestimmte Dokumentformate bearbeiten lassen:

  • ShareLaTeX bzw. Overleaf: Beide Varianten eignen sich zum Bearbeiten von LaTeX-Dokumenten. ShareLaTeX benötigt einen Login. Bei Overleaf kann man das Editieren vorab testen.
  • Fiduswriter: wie oben kann mit dem Programm LaTeX-Dokumente editieren und es wird ebenso ein Login benötigt. Nach meinem Eindruck ist die Eingabe zum Teil etwas komplizierter als oben, aber gerade bei der Literaturverwaltung scheint Fiduswriter mehr zu können. Mit einem Login kann man die Anwendung testen.
  • HackMD: eignet sich Bearbeiten von Dateien im Markdown-Format. Die Seite benötigt auch einen Login und ihr könnt ausprobieren.
  • Oinker: ist eine Plattform, die sich eher eignet, um Inhalte mit Text, Bildern etc. zu veröffentlichen. Das Einführungsvideo zeigt die Möglichkeiten der Plattform. Um dies zu benutzen, muss man angemeldet sein.
  • Smashdocs: ist wie Oinker eher zum Bearbeiten kompletter Texte mit Bildern und mehr Informationen gedacht. Wie bei Word gibt es eine Änderungsverfolgung und anderen Features, die an Textverarbeitungen erinnern. Eine Demo ist nur mit Login verfügbar.
  • CryptPad: legt die Dokumente verschlüsselt ab. Der Schlüssel ist Teil der URL. Das heißt, Personen mit einer korrekten URL bekommen Zugriff auf die Datei. Der Betreiber selbst hat nicht notwendigerweise Zugriff. Testen lässt sich die Software direkt bei CryptPad oder auch beim C3W.

Solltet ihr mehr solche Dienste kennen, schreibt es in die Kommentare.

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