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[22C3] Bitte ohne IE

Nico schreibt, dass die Liste der Vortragenden nicht mit dem Internet Explorer in der Version 6 funktioniert. Das Ganze wird auch im 22C3-Weblog thematisiert. Da ich gerade an einem Windowsrechner sitze, wollte ich das natürlich testen und war enttäuscht, als es nicht funktionierte. :-)

Nach einigem Hin und Her fand ich dann die Lösung. Wenn man zuerst die obige Seite besucht, stürzt der IE einfach ab. Besucht man hingegen zuerst die äquivalente SSL-Seite und geht danach auf die obige Seite funktioniert alles ohne Probleme. Das verstehe, wer will. Zumindest in der von mir getesteten Version IE 6.0.2900.2180.xpsp_sp2_gdr.050301-1519. Also liebe IE-Nutzer, wollt ihr die Vortragenden sehen, nutzt schreibt ein kleines s an das http und alles wird gut.

Vortrag von Joseph Weizenbaum

Im Rahmen der langen Nacht der Wissenschaften gab es hier verschiedene Vorträge, Vorführungen, etc. Ich hatte mich u.a. entschieden, den Vortrag von Joseph Weizenbaum zu besuchen.

Laut Plan sollte der Vortrag im Hörsaal 5 des Campusgebäudes stattfinden. Der Hörsaal nimmt ca. 150 Leute auf und da ich mit einem recht großen Ansturm rechnete, kam ich eine halbe Stunde vor Beginn. Bereits zu dem Zeitpunkt waren weit mehr als die Hälfte der Plätze besetzt und 10 Minuten später gab es dann keine keine Sitzplätze mehr. Glücklicherweise erkannte Prof. Küspert das Dilemma. Die Lösung (Umzug) war schnell gefunden. So konnte der Vortrag im Hörsaal 1 stattfinden. Dieser fasst weit mehr als 500 Leute und war meiner Einschätzung nach auch nahezu gefüllt.

Nach einer etwas länglichen Einführung zur Person von Joseph Weizenbaum kam er dann selbst auf die Bühne.
Joseph Weizenbaum
Zunächst stellte er klar, dass er sich das Thema “Computer für die Welt = Brot für die Welt” nicht selbst ausgedacht hat und es auch für unpassend hält. Insofern wird sein Vortrag nicht unbedingt zum vorgegebenen Thema passen. Hier setzte dann auch schon sein erster kritischer Punkt ein. Denn viele Menschen sind nach seinen Worten sehr technikgläubig und haben den eigenen Instinkt verloren. Stattdessen wird auf Berechnung, Computer etc. gesetzt. Der dritten Welt wäre nach Weizenbaum mehr geholfen, wenn sie statt Technik Nahrungsmittel o.ä. Unterstützung erhält.

Zunächst versuchte er den Irrglauben aufzuräumen, dass die Entwicklung des Computers eine vorhersagbare war. Stattdessen würde die Entwicklung eines Computers heute einen anderen Weg nehmen und ein Computer in 50 Jahren hätte wohl auch andere Eigenschaften als die heutigen Rechner. Insbesondere stellte er klar, dass die Anfangszeit sehr stark vom Militär geprägt war. Anfangs bestand die Gefahr eines Angriffs aus Richtung der ehemaligen UdSSR. Da die potentiellen Angriffswerkzeuge dabei immer schneller wurden, bestand auch die Notwendigkeit, dass die Rechner immer schneller werden.

Weizenbaum schweifte dabei immer mal wieder ab und erzählte nette Anekdoten. Beispielsweise wie Universitäten früher selbst ihre Rechner zusammenbauten. Diese hatten dann die Größe eines mittleren Vorlesungssaals oder auch wie sie ihre Programme auf Lochkarten schrieben und diese dann debuggen mussten (Manchmal bekamen wir einen Ausdruck des Speicher und mussten versuchen, den Fehler dort zu suchen.). Außerdem besuchten sie (er und andere Wissenschaftler) die UAW während eines Streiks und versuchten die Gewerkschaftler von der drohenden Gefahr der Computerisierung zu warnen. Doch dort nahm man dies eher nicht ernst, sondern kümmerten sich lieber um die gerade aktuellen Probleme.

Gerade der letzte Punkt wurde auch im Verlauf des Vortrages kritisch beleuchtet. Viele Nachrichten bringen mehr oder nur Mikronachrichten (TUI erhöht Anleihevolumen, Chinas Umweltminister wegen Chemieunglück zurückgetreten, Hinterbliebene verklagen Seilbahnbetreiber usw.) ohne einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Nachrichten herzustellen. Dadurch ist natürlich jede der Nachrichten gleich wichtig oder eben gleich unwichtig.

Weiterhin ist die Welt durch das Internet und die viel schnellere Kommunikation zusammengewachsen. Nach seinen Worten ist es sehr einfach ein Weltunternehmen von Des Moines zu führen. Dieser Umstand führt aber eben auch dazu, dass Unternehmen diese Tatsache ausnutzen und ihre Betriebe da aufbauen, wo es viele Steuern zu sparen gibt. Dieser Umstand ist zwar gut für die jeweiligen Betriebe, aber schädigt eben die Volkswirtschaften. Denn zum einen fliessen keine Beiträge mehr in die Sozialsysteme, andererseits hat der Staat vermehrt Augaben, da eine Vielzahl arbeitslos wird. Für dieses Problem existiert seiner Meinung nach noch keine hinreichend gute Lösung. Da dies durchaus auch von Privatpersonen wie von staatlichen Organisationen praktiziert wird, ist laut Weizenbaum auch sobald nicht mit einer Lösung zu rechnen.

Einen großen Augenmerk legte er dann noch auf das exponentielle Wachstum.
Weizenbaum erklärt exponentielle Kurve
Nach den Beobachtungen des Professors wird dies von sehr vielen Menschen falsch interpretiert. Sie interpolieren das Wachstum der Vergangenheit auf die Zukunft und kommen so auf lineare Wachstumsprozesse. Aber in der Realität sind eben viele exponentiell. Dies lässt sich nach seiner Ansicht auch auf Klimaveränderungen und anderes fortschreiben. Vor dem Hintergrund sind die Nachrichten über Klimaveränderungen wesentlich dramatischer als eigentlich angenommen.

Alles in allem fand ich den Vortrag sehr hörenswert. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass er in englisch gehalten wird. Denn Prof. Weizenbaum hatte hin und wieder Probleme, deutsche Entsprechungen für seine Wörter zu finden. Dadurch verlor der Vortrag an einigen Stellen seine Wirkung.

Nichtsdestotrotz sollte jeder, der die Möglichkeit hat, einen Vortrag von ihm zu besuchen, dies auch tun. Es war sehr amüsant, interessant und lehrreich. Ich würde jederzeit wieder hingehen.

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