So gestern ist das erste Großprojekt beendet. Die zweite Auflage meines Buches Anonym im Netz ging in den Druck. Mitte bis Ende des Monats sollte es somit im Buchhandel erhältlich sein. Wenn du das Buch liest, würde ich mich über eventuelle Kommentare, Anregungen, Hinweise etc. sehr freuen.
Ich habe das Buch von der ersten Seite gelesen und erneuert. Dabei
blieb kein Buchstabe auf dem anderen.¹ Ursprünglich
gab es ein Kapitel, welches die komplette Theorie zu den verschiedenen
Anonymisierungsdiensten beschrieb und dann zu jedem Dienst ein eigenes
Kapitel. Verschiedene Leser fanden diese Aufteilung verwirrend
bzw. unlogisch. Nun gibt es ein Kapitel zu jedem Dienst, in dem sind
Theorie und Praxis enthalten. Damit habe ich der Kritik Rechnung
getragen und hoffe, den Lesern wird es gefallen.
Anonyme bzw. pseudonyme Proxys, wie beispielsweise morphium.info, sind nun auch ein
Thema. Daneben habe ich einige Erweiterungen für den Firefox
ergänzt. Das Kapitel zu Tor bekam eine längere Erläuterung zu den
Brückenservern sowie zum neuen Verzeichnisdesign dazu natürlich neue
Grafiken und aktualisierte Informationen. JonDonym beinhaltet den
JonDoFox sowie die portablen Anwendungen. Schließlich kam ein komplett
neues Kapitel zu I2P dazu. Alles in allem gibt es 35 neue Seiten
und ungezählte Aktualisierungen.
Ich hoffe, euch gefällt die Neuauflage und die Tipps helfen, euch
anonym(er) im Netz bewegen zu können.
Ich werde nun das nächste Großprojekt in Angriff nehmen. Der Umfang ist wahrscheinlich größer als beim Buch. Wenn es soweit ist, könnt ihr hier sicher etwas dazu lesen.
Wer heute abend noch nichts vor hat, kann sich zu einer kleinen Gruppe von Leuten in den Raum 315 am Carl-Zeiss-Platz in Jena gesellen. Unter dem Titel Von ACTA bis Zensur — Der Einfluss der Musikindustrie auf unsere Rechtsprechung werde ich ab 18 Uhr etwas zum Thema erzählen.
Aus der Ankündigung:
Vor 30 Jahren hieß es "Home taping is killing music". Heute ist Piracy der Killer. Neben knackigen Parolen bietet die Musikindustrie heute handfeste Lobbyarbeit und greift in die Gesetzgebung ein. Der Vortrag beleuchtet das Verhalten und die Strategien der beteiligten Akteure an einigen Beispielen.
Wenn man das Interview mit zu Guttenberg liest, könnte man glauben, das zarte Pflänzchen Datenschutz beginnt auch bei der Regierung zu sprießen:
Ich glaube, dass man hochsensibel damit umgehen sollte und [..] manche vorauseilende Lust auf Daten auch einer solchen Überprüfung standhalten muss. Diese Prüfung ist vorzunehmen, und wenn ich Herrn Finanzminister Schäuble richtig verstanden habe, hat er sich schon sehr skeptisch geäussert. Ich kann diese Skepsis nur teilen.
Klingt doch gut, oder? Leider geht es Herr zu Guttenberg in dem Interview nur um die Kontodetails der Steuerbetrüger ...
Als ich das untenstehende Video anschaute, musste ich über die Meldung The sytem is officially dead. schmunzeln. Vielen Windows-Nutzern wird es wohl anders gehen, wenn ihr Rechner vom Virus Win32.Worm.Zimuse befallen ist. Leider bemerken es diese erst, wenn alles zu spät ist.
Nach der Beschreibung bei BitDefender kommt der Virus über dubiose IQ-Testseiten auf den Rechner und kopiert sich an verschiedene Stellen der Festplatte. Er stellt auch sicher, dass er beim Booten ausgeführt wird. Danach passiert nichts. Je nach Variante des Virus' kommt das Unheil nach 20 oder 40 Tagen. Zimuse überschreibt die ersten 50 kB des Master Boot Record und damit kann der Rechner nicht mehr booten. Adieu schönes Windows. (Na gut, mit dem richtigen Backup kann man da auch nur schmunzeln. Aber wer hat das schon ...)
Wer ein wenig im Web unterwegs ist, findet immer wieder interessante, nützliche und nutzlose Dienste. Ich stolperte kürzlich über Webnumbr. Das ist eine JavaScript-Anwendung, mit der sich beliebige Zahlen aus Webseiten extrahieren und als Diagramm darstellen lassen. Dazu gibt man auf der Webseite die URL ein. Webnumbr lädt die betreffende Seite und man klickt die gewünschte Zahl an. Danach muss noch ein Titel vergeben werden. Fertig!
Bisher gibt es verschiedene Sachen. Ich habe beispielsweise mal die Anzahl meiner Follower bei Twitter zeichnen lassen:
Andere lassen sich anzeigen, welcher Tag heute ist.
Mir gefällt insbesondere die Einfachheit mit dem man hier zu Grafiken kommt. Es ist nicht notwendig, APIs zu lesen, Code zu schreiben etc. Stattdessen genügen ein paar Klicks und fertig ist der Lack.
Bei meinen Vorträgen zur weltweiten Zensur stelle ich zu Anfang immer klar, dass es nur um eine kleine Auswahl von Ländern geht, die irgendwie "interessante" Maßnahmen benutzen. Die OpenNet Initiavtive hat versucht, die konkrete Zahl an Internetbenutzern zu bestimmen, die weltweit Zensur unterliegen. Sie kam auf über eine halbe Milliarde Menschen. Insgesamt wurden 40 Länder identifiziert, die Benutzer einschränken. Nicht dabei sind u.a. England und Rußland. Denn in ersterem wird nur wenig und relativ gezielt gefiltert und Rußland beginnt gerade erst mit der Umsetzung.
Ich hoffe, dass diese Erhebung regelmäßig gemacht wird. Aus meiner Sicht ist zu erwarten, dass die Zahl kontinuierlich steigt. Denn einerseits wächst die Zahl der Internetnutzer und andererseits erkennen immer mehr Staaten den zweifelhaften Nutzer von Zensur.
Die LUG Jena oder besser die Python-User-Group Jena will demnächst einen Vortrag zu automatischen Softwaretests halten. Solltest du Interesse haben und in den nächsten zwei Monaten in Jena verweilen, nimm an der untenstehenden Abstimmung teil. Ich werde den resultierenden Termin rechzeitig ankündigen.
This utility, isolate, runs processes in a chroot-ed environment, with constrained resource limits, as a random UID, and with limited access to the X server.
Rhetorik
von Leyen für Laien war das Thema unserer gestrigen
Abendunterhaltung. Martin
Haase, Linguistikprofessor an
der Universität Bamberg, analysierte in seinem Vortrag auf dem 26C3 den Rhetorikstil der ehemaligen
Familienministerin Ursula von der Leyen anhand der Argumentation zum Zugangserschwerungs-
oder Zensurerleichterungsgesetz.
Anhand verschiedener Reden zeigte der Wissenschaftler, wie von der
Leyen immer wieder dieselben einfachen rhetorischen Kniffe benutzt und
ohne Argumente zu nennen Sympathiepunkte beim Publikum sammelt. Insbesondere
interessant war zu sehen, dass an den Stellen, wo eigentlich sachliche
Argumente zu erwarten wären, nur Allgemeinplätze kommen oder persönliche
Angriffe gestartet werden.
Der Vortrag war unterhaltsam und sehr informativ. Es lohnt sich,
den mehrmals anzuschauen und das erworbene Wissen bei Politikerreden
anzuwenden. Ganz in dem Sinne wünscht sich Martin Haase auch mehr
Texthacker, die kreativ Reden auseinandernehmen und neu
zusammensetzen.
Den Vortrag gibt es als MPEG-4-Datei
(720 MB) oder als Torrent
zum Runterladen oder unten zum Anschauen als Stream .
Jemand war so freundlich, meinen Vortrag beim 26C3 bei YouTube hochzuladen. Somit könnt ihr den im Browser anschauen. Andere Möglichkeiten zum Anschauen verrät euch die Seite zu den Konferenzaufzeichnungen im Wiki. Kommentare sind herzlich willkommen. Inhaltliche Ergänzungen könnt ihr gern direkt in dem Wikieintrag des Landes vornehmen.
Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung veranstaltet heute eine Demonstration unter dem Motto Here be Orwell—Happy New 1984. Alle Interessierten sollten sich um 15 Uhr entweder am Stand des AK Vorrat im bcc oder vor dem bcc treffen. Kommt zahlreich und bringt nette Schilder mit!
Den Großteil des Tages verbrachte ich entweder am Rechner oder im Gespräch mit diversen Leuten. Weiterhin habe ich versucht herauszufinden, warum mein Tor-Brückenserver nahezu keine offenen Verbindungen mehr hat.
Der erste interessante Vortrag des Tages war Vier Fäuste für ein Halleluja von fefe und erdgeist. Die beiden zeigten jede Menge kaputten oder kranken Code. Der Saal selbst war brechend voll. Nick Farr spielte zu Anfang den Platzanweiser und verteilte selbst die Stehplätze. Ich sass leider sehr ungünstig (auf der Bühne) und konnte die Zeilen nur mit Mühe entziffern. Daher liess ich mich von den Worten der beiden mitreißen. Als sie die Folien vorbereiteten, sassen die beiden in meiner Nähe und hatten da schon sichtlich Spass. Auf der Bühne setzte sich das nahtlos fort. Ich werde mir jedoch das Video in Ruhe anschauen müssen, um in Ruhe einen Blick auf den präsentierten Code zu werfen.
Direkt danach sprachen Constanze Kurz und Frank Rieger von der Verhandlung zur Vorratsdatenspeicherung. Die beiden waren vor Ort und Constanze sprach vor den Richtern als Gutachterin. Die beiden führten nochmal das aus, was man bei Netzpolitik als Twitter-Ticker nachlesen kann. Beide stellten ihre Argumentationslinien vor und machten klar, dass sich der CCC als Ganzes um eine fundierte, strukturierte Darstellung bemüht hat. Nach allem, was man herauslesen kann, ist das sehr gut gelungen. Die Vertreter der Bundesregierung hatte keinerlei Gegenargumente. Die Polizeivertreter konnte ebenfalls weder durch ein gut gewähltes Beispiel noch durch Argumente überzeugen. Das entsprach meinem Eindruck aus der Ferne. Generell haben die Befürworter bisher nicht durch Argumente, sondern durch Bashing geglänzt. Der Vortrag war sehr gut und anschaulich. Auch das Publikum war mitgerissen. Ich fand es schade, dass am Ende keine Zeit mehr für Fragen oder Kommentare eingeräumt wurde. Ich denke, der eine oder andere hätte sich gern gemeldet.